Nase vorn auf dem Sensorik-Markt

Die Sensoren der First Sensor AG fliegen in den Weltraum, stecken in Medizintechnik oder in Automobilen. Innovative Oberflächenbeschichtungen eröffnen neue Zukunftsmärkte – ein Ergebnis des Forschungsprojektes „EVD“.

Wenn sich Sigurd Schrader von der Technischen Hochschule Wildau mit Volker Berghof von der First Sensor AG in deren Stammwerk in Oberschöneweide trifft, liegen Gespräche über Fernsehtechnik räumlich und gedanklich so nahe wie die Spree und wie das einstige Fernsehwerk. Während seines Physikstudiums habe er dort in Nachtschichten sein Geld verdient, deutet Professor Schrader in die Richtung des über 100 Jahre alten Gebäudes. In dem größten ostdeutschen Werk für Fernsehelektronik wurden zu DDR-Zeiten Elektronenröhren und elektronische Bauteile entwickelt und produziert. Volker Berghof nickt. Ebenso wie Schrader ist er ein Fan von Röhrenfernsehern. Auch, weil die First Sensor AG vor über 25 Jahren von ehemaligen Mitarbeitern des einstigen „WF“ gegründet wurde.

Großes weißes Labor mit einzelnen Arbeitstischen und Mikroskopen. Die Mitarbeiter targen hellblaue Overalls.

Blick in die Reinraumproduktion bei First Sensor.

First Sensor AG

Wettbewerbsvorteile mit EVD

Das einstige Start-up ist zum Global Player auf dem Markt der Sensorik herangewachsen. Industrie 4.0, die innovative Medizintechnik und die autonome Mobilität sind die großen Zukunftsthemen für First Sensor. Die eigene Forschungs- und Entwicklungsabteilung erarbeitet auf diesen Feldern kundenspezifische Lösungen. „Wir wollen die Nase vorn haben und unseren Kunden von der Chipherstellung bis zum kompletten Sensorsystem Wettbewerbsvorteile verschaffen“, sagt Volker Berghof. Darum sei das Unternehmen vor zwei Jahren als Bündnispartner in die Wachstumskern Potenzial-Initiative „Elektronenaktivierte Vakuum-Deposition“ eingestiegen. Kurz EVD heißt das regionale Forschungsbündnis, das an der Technischen Hochschule Wildau angesiedelt ist und von Sigurd Schrader koordiniert wird. Der Professor ist in regionalen Netzwerken unterwegs und kennt die industriellen Bedürfnisse auf den Gebieten der Photonik, der Laser-und Plasmatechnologien. „Innerhalb des EVD-Projektes entwickeln wir gemeinsam mit unseren Industriepartnern eine Plattform, auf deren Basis dann jede Firma ihr eigenes marktfähiges Produkt weiterentwickelt“, sagt Schrader.

Neue Eigenschaften durch Beschichtung

Bei der elektronenaktivierten Vakuum-Deposition geht es um hochwirksame Beschichtungen, die sensible Elektronik vor Umwelteinflüssen schützen und sogar der Oberfläche neue Eigenschaften geben. Diese Schichten müssen ultradünn sein, damit die empfindlichen Sensoren präzise arbeiten beziehungsweise auf engstem Raum untergebracht werden können.

Das Forschungsbündnis hat einen Versuchsreaktor, ein Vakuumsystem mit Elektronenquelle, entwickelt. Der Reaktor kann die Elektronen optimal aktivieren, so dass sie die verwendeten Materialien dazu anregen, einen hauchdünnen, gleichmäßigen und geschlossenen Film auf der zu beschichtenden Oberfläche abzulagern. Als Beschichtungsmaterial ist unter anderem der Kunststoff Polytetrafluorethylen, kurz PTFE, positiv getestet worden. „Wir werden die Prozessführung variieren und auch andere Polymerkombinationen einbeziehen, um weitere neue Eigenschaften und Anwendungen zu generieren“, sagt der Projektkoordinator.

hochempfindliche Fotodiode

Der Sensorik-Spezialist stellt hochempfindliche Fotodioden her.

First Sensor AG

EVD auf Fotodioden

First Sensor hat dabei die Aufgabe, den Strukturierungsprozess der Schichten zu analysieren. Der Sensorik-Spezialist stellt unter anderem hochempfindliche Fotodioden her. Für diese ist die EVD-Beschichtung besonders interessant. „Sie kann die Fläche blockieren, auf die das Licht nicht treffen soll“, sagt Volker Berghof, „somit arbeitet der Sensor noch leistungsfähiger und höchst zuverlässig.“ Selbstfahrende Autos beispielsweise werden nicht funktionstüchtig sein ohne solche Fotodioden. Die müssen an Stelle des menschlichen Auges die Umgebung scannen, um etwa Abstände zu erkennen oder die Signale von Ampelanlagen. First Sensor sieht in der autonomen Fahrtechnologie für sich einen großen Zukunftsmarkt.

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