Neue Lebensmittel aus Eiweißpflanzen

Die Havelland-Fläming-Spreewald-Region geht neue Wege in der Lebensmittelproduktion. Das Bündnis „Proteins4Future“ will eine intelligente Wertschöpfungskette zur Herstellung und Verwertung pflanzlicher Proteine aufbauen.

Eine proteinreiche Ernährung ist derzeit in (fast) aller Munde. Handelt es sich hier um einen vorübergehenden Trend oder um eine wissenschaftlich fundierte Ernährungsempfehlung? „Dass im zunehmenden Alter proteinhaltige Lebensmittel immer wichtiger werden, ist erwiesen“, sagt Monika Schreiner. Sie leitet den Bereich Pflanzenqualität und Ernährungssicherheit im Leibniz-Institut für Gemüse- und Zierpflanzenbau IGZ Großbeeren bei Berlin.

Weiße Lupinenpflanzen auf dem Feld

Lupinen sind stark eiweißhaltige Pflanzen. 

G. Rosner, ZALF

Die sich verändernde Altersstruktur der Bevölkerung spielt eine große Rolle in ihrem Forschungsbereich. „Im Älterwerden stellen wir fest, dass Gesundheit nichts Selbstverständliches ist. Mit hochqualitativen Lebensmitteln kann man sich fit halten“, sagt die Wissenschaftlerin. Sie spricht aber auch von einem zunehmenden Verantwortungsbewusstsein der Bevölkerung hinsichtlich einer ökologischen, klimafreundlichen, nachhaltigen Produktion und Verarbeitung von Lebensmittelpflanzen möglichst aus regionalem Anbau. „In der Region Havelland-Fläming-Spreewald gibt es traditionelle Erfahrungen im Anbau von Eiweißpflanzen wie Lupinen, Soja und Erbsen“, sagt Professorin Schreiner. Allerdings würden etwa 70 Prozent unseres benötigten Proteins aus anderen Länden importiert. „In logischer Schlussfolgerung hatten das IGZ und Forschungspartner die Idee, in der Region eine exemplarische Wertschöpfungskette zu etablieren mit kurzen Wegen von der Forschung über Anbau und Verarbeitung bis zum Verbraucher.

Modellregion für Wertschöpfungskette

Neben vielen Partnern aus der Region – wissenschaftliche Einrichtungen, landwirtschaftliche Betriebe, Unternehmen der nachfolgenden Rohstoffverwertung und -veredelung, Entwickler von innovativen Produkten und deren Vertreiber – ist auch das Bundesforschungsministerium von der Vision überzeugt, dass sich hiesige Eiweißpflanzen den Zugang zum Lebensmittelmarkt der Zukunft verschaffen. „Zumal wir intensiv erforschen, welche Pflanzen auch mit extremen Witterungsverhältnissen wie in diesem Sommer klar kommen“, sagt die Wissenschaftlerin.

Proteins4Future nennt sich das Bündnis, das als eines von 32 Bündnissen derzeit in der Konzeptphase des Programms  „WIR! – Wandel durch Innovation in der Region“ gefördert wird.

„Durch die enge Verknüpfung von Produktion und Verwertung von Eiweißpflanzen erwächst für die Region Havelland-Fläming-Spreewald ein weiteres ökonomisches Potenzial. Es werden Arbeitsplätze geschaffen, Unternehmensgründungen angeschoben und dadurch Menschen in den ländlichen Gebieten gehalten“, sagt Projektkoordinatorin Schreiner. Sie spricht von einer „Modellregion“, etwa für den Anbau pflanzlicher Proteine, für die Digitalisierung entsprechender Produktionsprozesse, für die Ausbildung zu diesem Thema und für die wissenschaftliche Forschung.

Schüssel mit Brotteig und Erbsenstückchen

Zarte junge Erbsenpflanzen werden unter den Brotteig gemischt. 

Rebecca Klopsch, IGZ

Lupinen- und Erbsenbrot

Von großem Vorteil für die angestrebten kurzen Wege in der Wettschöpfungskette sei die Nähe zu Berlin, betont Monika Schreiner. Die Start-up-Szene dort sei sehr innovativ bei der Entwicklung neuer Lebensmittel, und sie wisse, welche neuen Produkte bei ihrer gesundheits- und umweltbewussten Zielgruppe Akzeptanz finden. „Da wir als die Nation der Brotesser gelten, wollen wir zunächst an dem beliebtesten Lebensmittel der Deutschen eine Wertschöpfungskette demonstrieren.

Die Herstellung von Lupinen- und Erbsenbrot beginnt mit dem persönlichen Austausch zwischen Wissenschaftler, Pflanzenanbauer und Brotbäcker und endet beim Direktkontakt zwischen Brotverkäufer und Kunden“, sagt Monika Schreiner und ergänzt, dass das Bündnis auch an ein Innovationslabor denkt. „Wir wollen schließlich nicht am Markt vorbei produzieren und holen darum die Bevölkerung mit ins Entwicklungslabor. Am Ende ist bei einem Lebensmittel doch immer auch entscheidend, dass es schmeckt.“

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