Neue Ziele bei RESPONSE

Die Zwanzig20-Initiative „RESPONSE" öffnet sich neuen Themen. Neben der Entwicklung von Mikroimplantaten für Herz-Kreislauf, Auge und Ohr nehmen die Forscher nun auch Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse und der Eileiter ins Visier.

Querschnitt eines Ohres mit einem Stent in der Tube

Neue Therapielösungen bei Mittelohrschwerhörigkeit: Der Tubenstent soll die Funktion des Ventils wieder dauerhaft herstellen.

RESPONSE

Die Mittelohrschwerhörigkeit betrifft gut 800.000 Menschen in Deutschland. Sie entsteht hauptsächlich durch eine nicht intakte Ohrtrompete. Eine neue Therapiemöglichkeit soll helfen. Der HNO-Arzt Thomas Lenarz von der Hochschule Hannover forscht seit Jahren an einem Tubenstent. Damit soll beim Patienten wieder eine dauerhafte Normalisierung der Tubenfunktion erreicht werden. Das Forschungsvorhaben im Rahmen von RESPONSE präsentierte nun erste Ergebnisse zum Stentdesign, nachdem Ingenieure und Mediziner sich mit der Funktionalität und der Beschaffenheit des Implantates beschäftigt hätten, berichtete Lenarz dem Konsortium in Rostock.

Erste Tubenmodelle aus dem Tier wurden entwickelt, um die Dimensionen eines Tubenstents herauszufinden. So ist es gelungen, einen Stent für das Herz-Kreislaufsystem zu verändern und für seine neue Umgebung anzupassen. Dieser Tubenstent konnte im Modell implantiert und auf seine Funktionalität getestet werden. Die Implantation geschieht über die Nase mittels eines Katheters, der ebenfalls aus der Kardiologie entlehnt ist. Um den neuartigen Eingriff vorzubereiten, wurde außerdem zusammen mit einem RESPONSE-Partner, der Berliner Firma Bess, ein Endoskop entwickelt. Nun stünden zahlreiche Tests an, um die Funktionalität und Biokompatibilität sowohl dauerhafter als auch resorbierbarer Stents zu prüfen, erläutert Lenarz den Forschungsstand.

STENTTECHNOLOGIE FÜR NEUE KRANKHEITSBILDER

Die RESPONSE-Forschungen zu innovativen Implantaten für Ohr, Auge und Herz-Kreislauf schreiten voran. Nun sollen die bisherigen Ergebnisse der Technologie auch für Stententwicklungen anderer Krankheitsbilder genutzt werden. Als neuer Partner konnte der Greifswalder Gastroenterologe Markus Lerch gewonnen werden. Sein Forschungsgebiet ist die Pankreatitis, die Bauchspeicheldrüsenentzündung. Hier kommt es häufig zur Flüssigkeitsansammlung in der Bauchspeicheldrüse. Ein Stent könnte helfen, die Flüssigkeit abfließen zu lassen.

Auch der zweite neue Partner unter den Medizinern, der Frauenheilkundler Marek Zygmunt, stellte dem Konsortium eine neue Therapiemöglichkeit zur Behandlung des proximalen Eileiterverschlusses vor. Der Verschluss ist ein häufiger Grund für Kinderlosigkeit. Das Forschungsvorhaben bei RESPONSE will einen resorbierbaren Stent entwickeln, der den Eileiter wieder durchlässig macht.

MEHR LEBENSQUALITÄT NICHT NUR IM ALTER

Alle Implantatentwicklungen bei RESPONSE sollen vor allem resorbierbar und langlebig sein, denn was ursprünglich die Lebensqualität der alternden Bevölkerung verbessern sollte, kann auch für jüngere Menschen sinnvoll sein. Ein Kind, dessen Schwerhörigkeit mit einem Implantat schon in sehr frühen Jahren behandelt werden kann, hat die Möglichkeit, ein Leben ohne Beeinträchtigung zu führen, was wiederum Kosten für eine spezielle lebenslange Betreuung erspart. Mit dem individuellen und dem gesellschaftlichen Nutzen der Implantatentwicklungen beschäftigt sich bei RESPONSE die Forschergruppe zur System- und Innovationsforschung, geleitet von dem Gesundheitsökonomen der Greifswalder Universität, Steffen Fleßa. Wie ist es zu erreichen, dass die Innovationen auch bezahlbar – also auch von den Krankenkassen erstattbar – sind? Und wie ist die Lebensqualität mit dem Implantat tatsächlich? Diese Fragen werden begleitend zu den technologischen Innovationen behandelt.

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