Physik statt Chemie

Forschende und Unternehmen aus Mecklenburg-Vorpommern wollen Lebensmittel mit so wenig Chemie wie möglich produzieren. Um Saatgut gleichzeitig keimfähig und robust zu machen, setzen sie auf physikalische Behandlungsmethoden.

„Physics for Food – Eine Region denkt um!" – unter diesem vielversprechenden Namen hat sich die Hochschule Neubrandenburg mit dem Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie (INP) zusammengetan. Beide Forschungseinrichtungen können auf eine jahrelange Zusammenarbeit zurückblicken, in der sie die gemeinsame Entwicklung, Fertigung und Vermarktung von plasmabasierten Systemen zur Entkeimung von Lebensmitteln verfolgt haben.

Durch das Förderprogramm „WIR! – Wandel durch Innovation in der Region“ hat sich das Bündnis deutlich verbreitert. Auf der Suche nach weiteren Partnern, die sich an den geplanten fünf Leitprojekten beteiligen wollen, wurde nun zu einem Kick-off-Meeting in die Hochschule Neubrandenburg geladen.

Feld mit landwirtschaftlichen Maschinen aus der Vogelperspektive

Physics for Food will innovative Lösungen für die heimischen Kulturpflanzen Lupine, Gerste und Raps entwickeln.

shutterstock/RikoBest

Physik trifft auf Agrarwissenschaft

Physics for Food will drei physikalische Technologien auf drei heimische Kulturpflanzen anwenden: Licht, Plasma und gepulste elektrische Felder sollen Lupine, Gerste und Raps zugutekommen. Die Behandlung der Saat und der Pflanzen kann sowohl die Keimfähigkeit als auch die Erträge erhöhen. Am Ende stehen rückstandslose und gesunde Produkte aus der Region Nordost, so ist die Vision.

Eines der Leitprojekte, „Physics for SEEDS“, will neue Methoden der Saatgutbehandlung etablieren. „Hier ist großer Handlungsbedarf, da durch die EU-Gesetzgebung bestimmte Pflanzenschutzmittel, sogenannte Beizmittel, künftig wegfallen“, berichtet Nicola Wannicke vom INP. Hier sind alternative Methoden gefragt. In den Laboren des INP wollen die Forscher in dem Projekt die Saat von Gerste, Lupine und Raps mit Kaltplasma und UV-Licht behandeln, um sie keimfrei zu machen und um gleichsam die Gesundheit der Saat zu erhalten.

Mit denselben technischen Mitteln erhofft sich Detlev Dölger von der Firma Hanse Agro GmbH im Projekt „Physics for CROPS“ mehr Schutz für die Pflanze – und einen geringeren Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel. Durch plasmabehandeltes Wasser und direkte Plasmabehandlung der Pflanzen soll Schädlingen und Unkraut der Kampf angesagt werden. Das Verfahren könnte punktuell herkömmliche Methoden des Pflanzenschutzes ersetzen.

Mehr Arbeitsplätze, neue Berufsbilder

Durch Forschung, Entwicklung und Vermarktung dieser Verfahren erhofften sich die Beteiligten mehr Arbeitsplätze, neue Geschäftsmodelle und neue Berufsbilder, sagt Leif-Alexander Garbe, Biochemiker von der Hochschule Neubrandenburg und einer der Sprecher von „Physics for Food“.

Die fünf Leitprojekte sollen Mitte 2020 starten. Das Kick-off-Meeting mit den Projektleitern hatte zum Ziel, die einzelnen Themen weiter auszubauen und die entsprechenden Partner konkret einzubinden. „Wir müssen unsere Ziele da, wo es notwendig ist, noch schärfen und sehen, ob wir sie in den dafür vorgesehenen Zeitfenstern auch erreichen können“, resümiert Bündnissprecher Klaus-Dieter Weltmann vom INP Greifswald das Kick-Off-Meeting.

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