Pionierarbeit im Vogtland

Das Vogtland ist reich – reich an Baudenkmälern, die oftmals ungenutzt und baufällig sind. Das WIR!-Bündnis „Vogtlandpioniere“ will der Region mit neuen Sanierungs- und Nutzungskonzepten nachhaltig zu Schwung verhelfen.

Der Ort für das Auftaktmeeting hätte nicht besser gewählt sein können: das Alte Malzhaus in Plauen im Vogtland, dessen Grundmauern schon vor über 800 Jahren errichtet wurden. Viele Jahrhunderte wurde dort gebraut, zu DDR-Zeiten war es Lager- und Subkulturhaus. Nach dem Mauerfall ist es durch eine Bürgerinitiative saniert und als Kulturzentrum neu belebt worden. Heute finden hier Theateraufführungen, Filmvorstellungen und internationale Folkmusikfestivals statt. Das Alte Malzhaus steht beispielhaft für die Wiederbelebung eines historischen Hauses zum größtmöglichen Nutzen für die Kommune und die Menschen, die hier leben. Genau das wollen die „Vogtlandpioniere“ in der Region erreichen.

Im Eiermann-Bau Apolda sind die Büros der IBA Thüringen in Mini-Glashäusern untergebracht. Ansicht von innen.

Kreativ statt luxuriös: Im Eiermann-Bau Apolda sind die Büros der IBA Thüringen in Mini-Glashäusern untergebracht. Das spart aufwändige Fenstersanierungen und Heizkosten.

IBA Thüringen, Thomas Müller

Leuchtendes Beispiel

Auch der sogenannte Eiermann-Bau im thüringischen Apolda zeigt, wie kreative Konzepte ein lange leerstehendes Gebäude wiederbeleben können. Die Initiatorin des Projekts und Geschäftsführerin der Internationalen Bauausstellung Thüringen (IBA), Martina Doehler-Behzadi, erzählt auf dem Meeting in Plauen, wie das gelingen konnte. Das mehrere hundert Quadratmeter große Fabrikgebäude ist Ende des 19. Jahrhunderts errichtet worden. 1938 wurde es durch einen Anbau des Architekten und Designers Egon Eiermann ergänzt. Die IBA improvisierte in dem unsanierten Gebäude einen Campus mit jungen Leuten, die dort gestalterische Möglichkeiten für den Umbau entwickelten. Inzwischen sind die Ideen einer kostensparenden, energieeffizienten Sanierung realisiert und die Büros der IBA in den Eiermann-Bau eingezogen. Martina Doehler-Behzadi plädiert dafür, leerstehende Gebäude nicht aufzugeben. Allein in Thüringen sind es derzeit rund 45.000. Viele davon stehen unter Denkmalschutz, sind also besonders erhaltenswürdig. Neben dem historischen Erinnerungswert haben sie auch einen aktuellen Nutzwert – zum Beispiel für Wohnungen, Büros und Geschäfte. Statt auf der grünen Wiese neu zu bauen und immer mehr Ressourcen zu verbrauchen, sollten vorhandene Bauten genutzt werden – so Doehler-Behzadi.

Foto von den Workshopteilnehmern

Brainstorming: In verschiedenen Themen-Workshops haben die „Vogtlandpioniere“ bei der Auftaktveranstaltung in Plauen Ideen für künftige Projekte gesammelt.

INNOVENT e.V. Jena

Ideen mit Weitblick

Die „Vogtlandpioniere“ wollen nun mit dem gebündelten Knowhow von Forschungsinstituten und Unternehmen erste Pilotprojekte starten. Neben originellen Nutzungsmöglichkeiten für alte Gebäude geht es ihnen auch um die Entwicklung neuer Sanierungstechnologien. So wollen sie zum Beispiel textile Innovationen für die Dämmung einsetzen. Dabei können ihnen die  Erfahrungen der traditionellen Textilindustrie im Vogtland zugute kommen. Für den Schutz von baulichen Kulturgütern entwickeln Wissenschaftler bei INNOVENT e.V. in Jena neue Technologien. Dazu gehören unter anderem neuartige Oberflächenbehandlungen für den Holz- oder Korrosionsschutz. An der Bauhaus Universität Weimar haben Informatiker ein 3D-Modell erarbeitet, mit dem der Zustand sanierungsbedürftiger Gebäude detailliert betrachtet werden kann. Selbst schwer zugängliche, hohe Gemäuer oder Dächer bleiben dabei nicht verborgen. Experten können so über bauliche Maßnahmen entscheiden und den Baufortschritt beobachten, ohne dafür auf Gerüste klettern zu müssen. Um ihre Ideen zu verstetigen, wollen die „Vogtlandpioniere“ auf lange Sicht ein interdisziplinäres Kompetenzzentrum im Vogtland einrichten, in dem Menschen aus der Region beschäftigt sein sollen.

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