Robust und sensibel

Winzige Glasfasern für die Optik und Sensortechnik einzusetzen, ist das Ziel des Wachstumskerns „TOF – Tailored Optical Fibres“ in Thüringen. Wie groß das Interesse daran ist, zeigt der erste Workshop in Jena.

Gerade mal so groß wie ein menschliches Haar können sie sein, sehr feinfühlig und dennoch widerstandsfähig in harschen Umgebungen wie Hochöfen, Windrädern oder Öl-Plattformen. „Immer dann, wenn die elektrische Messtechnik an ihre Grenzen kommt, kann man mit Fasern noch etwas machen“, sagt Eric Lindner, Sprecher des Wachstumskerns. Zum Beispiel in der minimalinvasiven Chirurgie: Die Jenaer FBGS Technologies GmbH, deren Geschäftsführer Lindner ist, will Sensoren in Glasfasern für flexible Katheter entwickeln. Sie sollen helfen, die genaue Lage im Patienten zu bestimmen. Bisher geschieht das ausschließlich mit Röntgentechnik, zum Beispiel bei Katheter-Untersuchungen am Herzen. Doch die Strahlung belastet sowohl den Patienten, als auch den Arzt, der zudem bei solchen Eingriffen schwere Bleiwesten zum Schutz tragen muss. Glasfasersensoren könnten Entlastung und mehr Sicherheit bringen.

Schlauchgewebe mit Lichtleitfasern

Optische Fasern sind vielfältig einsetzbar, hier in einem Schlauchgewebe mit Lichtleitfasern.

SmartTex-Netzwerk, Thomas Heinick

Eine für alle

Eric Lindner freut sich, dass über 80 Besucher der Einladung zum TOF-Workshop nach Jena gefolgt sind, darunter Forscher und Unternehmensvertreter aus Belgien, Frankreich und den USA. Auch wenn optische Fasern in sehr unterschiedlichen Bereichen angewendet werden, sind die Anforderungen doch ähnlich. „Deshalb wird es einfacher, diese in die Produktion umzusetzen und für vernünftige Preise herstellen zu können“, sagt Hartmut Bartelt, TOF-Vertreter vom Jenaer Leibniz-Institut für Photonische Technologien. So sollen Glasfasersensoren schwierige Umgebungsbedingungen aushalten und gleichzeitig sehr präzise messen – zum Beispiel Temperaturen und physikalische Prozesse in Kraftwerken oder großen Schmelzöfen, damit die Sicherheit des Produktionsprozesses gewährleistet ist.

Unendliche Möglichkeiten

Neben der Sensortechnik eignen sich Glasfasern auch für die Optik. Sie können unter anderem in Infrarotkameras oder Mikroskopen eingesetzt werden, um den Spektralbereich und die Leistung des Lichts zu erhöhen. „Wir haben momentan einen Bruchteil der möglichen Anwendungen für Fasern entdeckt“, sagt Lindner. „Über solche Veranstaltungen versuchen wir, unseren Horizont zu erweitern.“

Schließlich will das TOF-Team die Erwartungen der Industrie aufnehmen, um neue Technologien zu entwickeln. „Unternehmen, die Interesse an optischen Fasern haben, brauchen kompetente Forschungspartner und Partner, die dann die Fasern herstellen können“, meint Hartmut Bartelt. „Genau das ist im Wachstumskern TOF gebündelt.“