Rollenwechsel zur Halbzeit

Die Beiräte der „Zwanzig20“-Konsortien haben eine exponierte Stellung: Sie beraten, kontrollieren, erteilen Auflagen und empfehlen Projekte für die Förderung. Bis jetzt! In Berlin berieten sie mit dem Bundesforschungsministerium über ihre neue Rolle.

Im Sommer 2013 wurden zehn von 59 Bewerbern für eine Förderung im Programm „Zwanzig20 – Partnerschaft für Innovation“ ausgewählt. Inzwischen steht fest: „Die Megatrends der Zeit, also Themen, die Welt und Wirtschaft bewegen, haben wir damit genau getroffen“, glaubt Hans-Peter Hiepe, Referatsleiter im Bundesforschungsministerium. Und nicht nur das: Mit Zwanzig20 wurden völlig neue Wege eingeschlagen. Partner haben sich gefunden, die ohne das Programm nie zusammengekommen wären: Designer und Ingenieure, Architekten und Naturwissenschaftler.

Nach fünf Jahren ist nun Halbzeit. Fast alle Vorhaben sind genehmigt, die Fördergelder gebunden und für die nächsten Jahre verplant. Damit entfällt ein wichtiges Instrument für die Beiräte, auf die strategische Entwicklung der Konsortien Einfluss zu nehmen. Gleichzeitig eröffnet sich aber den Beiräten auch die Chance, ihre Rolle für die kommenden fünf Jahre neu zu definieren und ein neues Selbstverständnis zu entwickeln. Zum gemeinsamen Resümee und Ausblick lud das Bundesforschungsministerium deshalb die Beiräte der zehn Konsortien in den Wasserturm auf dem Berliner EUREF-Campus.

Diskussionsrunde im Wasserturm auf dem Berliner EUREF-Campus

Im Wasserturm auf dem Berliner EUREF-Campus definieren die Zwanzig20-Beiräte ihre neue Rolle.

BMBF/Innovation & Strukturwandel/Thilo Schoch

Hans-Peter Hiepe am Rednerpult

Hans-Peter Hiepe blickt zurück auf fünf Jahre Zwanzig20.

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Astrid Frohloff auf der Bühne

Fernsehmoderatorin Astrid Frohloff führt durch die Veranstaltung.

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Matthias Graf von Kielmansegg am Rednerpult

BMBF-Abteilungsleiter Matthias Graf von Kielmansegg betont die Bedeutung von Innovationen.

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Wasserturm von außen

Der denkmalgeschützte Wasserturm auf dem Berliner EUREF-Campus bietet den Rahmen für die Veranstaltung.

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Teilnehmer im Gespräch

Die Wirkungen des grenzenüberschreitenden Förderprogramms Zwanzig20 liefern reichlich Diskussionsstoff.

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Prof. Carsten Becker am Rednerpult

Carsten Becker berichtet über seine Befragung der Zwanzig20-Beiräte.

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Wolf Lotter am Rednerpult

Der Journalist und Autor Wolf Lotter plädiert für mehr Offenheit in Innovationsprozessen.

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Teilnehmer der Veranstaltung diskutieren

Viel Raum für Meinungsaustausch: Teilnehmer der Beiräte-Veranstaltung im Gespräch.

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Teilnehmer der Veranstaltung im Gespräch

Reflexion und Ausblick: Welche Rolle spielen die Zwanzig20-Beiräte in den kommenden fünf Jahren?

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Teilnehmer der Veranstaltung im Gespräch

Der Berliner EUREF-Campus verfolgt das Konzept der "Intelligenten Stadt",...

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Gasometer auf dem EUREF-Campus

... beherbergt unter anderem das Gasometer...

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Elektrischer Bus auf dem EUREF-Campus

...und stellt den Beiräten einen autonom fahrenden Shuttlebus bereit.

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Anspruch und Realität

Carsten Becker, Geschäftsführer der IFGE – Gesellschaft für Innovationsforschung und Beratung mbH, evaluiert im Auftrag des BMBF das Förderprogramm und hatte im Vorfeld der Veranstaltung die Beiräte zur Entwicklung der Konsortien befragt, unter anderem auch zu deren Nachhaltigkeit. Nach Meinung der Beiräte stehe die Forschung bei den meisten Konsortien bislang im Vordergrund, berichtete Becker. Die Beiräte bewerteten die beteiligten Forschungseinrichtungen als äußerst leistungsfähig, zugleich schätzten sie die Zusammenarbeit mit den Konsortialleitungen und Projektkonsortien durchweg als sehr gut ein. In allen zehn Konsortien schließlich trage die Mehrheit der Beiratsmitglieder die entwickelte Strategie inhaltlich mit.

Zum jetzigen Zeitpunkt fehlten aber offensichtlich noch langfristige Strategien für die Vermarktung der Forschungsergebnisse und Ideen, sagte Becker. Auch sei bei einigen Konsortien noch keine Strategie für den Fortbestand der Konsortien nach dem Ende der Förderung ausgearbeitet worden. Becker empfahl den Beiräten auch, ein größeres Augenmerk auf vertrauensbildende Maßnahmen und die Stärkung der Netzwerkkultur und des sozialen Zusammenhalts zu legen.

Erneuerung und Verwertung

„Dass aus der Forschung auch Innovation entsteht, wird der Gradmesser für den Erfolg des Programms sein“, sagte Matthias Graf von Kielmansegg, Abteilungsleiter im Bundesforschungsministerium, in Berlin. Doch was ist eigentlich Innovation? „Innovation ist die Alternative zu dem, was wir kennen“, meinte Wolf Lotter in seiner Keynote. Der Wirtschaftsjournalist sieht die Konflikte zwischen Industrie und Forschung, zwischen Vermarktungsorientierung und Ergebnisoffenheit. Er findet aber auch, dass Innovationen oft scheitern, weil sie nicht verständlich gemacht werden. Wichtige neue Technologien würden verteufelt, dagegen müsse man mit Nüchternheit und Vernunft angehen. Lotter plädierte für mehr Offenheit in Innovationsprozessen, für die Einbeziehung von Menschen verschiedener Hintergründe und Altersklassen. Viele im Publikum nicken anerkennend.

Der Nachdenklichkeit über Lotters inspirierenden Vortrag folgte ein pragmatischer Ausblick: „Wir denken, dass Innovationen vor allem über Start-ups kommen“, äußerte einer der Beiräte seine Einschätzung. „Deshalb begrüßen wir Ausgründungen sehr.“ In der zweiten Hälfte der Förderphase wollen die Beiräte ihre Konsortien dabei unterstützen, die Forschungsergebnisse wirtschaftlich zu verwerten, ihnen aber auch als Sparringspartner, Berater und Türöffner zur Seite stehen.