Schulterschluss für globale Gesundheit

Es ist einmalig in Deutschland, dass sich Wissenschaftler und Unternehmer so unterschiedlicher Bereiche gegen lebensbedrohliche Infektionskrankheiten zusammengeschlossen haben. InfectControl 2020 traf sich jetzt zum Erfahrungsaustausch in Jena.

Architekten sitzen neben Biologen, Ingenieure neben Medizinern, Kommunikationswissenschaftler neben Pharmazeuten und Chemikern im großen Hörsaal des Leibniz-Instituts für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie (HKI). Mögen ihre fachlichen Ausrichtungen auch verschieden sein, so verfolgen sie doch dasselbe Ziel: bessere Präventions- und Therapiemöglichkeiten für Infektionskrankheiten. Weltweit sterben immer mehr Menschen an Infektionen – ein alarmierender Fakt. Die globale Mobilität, rapides Bevölkerungswachstum und die Veränderung des Klimas tragen dazu bei. Vor allem aber nehmen Antibiotika-Resistenzen zu, es fehlen wirksame Medikamente. InfectControl-Forschungsteams wollen neue Wirkstoffe identifizieren, die sich als Antibiotika eignen. Auch Aufklärung und mehr Hygiene zur Reduzierung von Infektionen gehören zu den Zielen des Konsortiums.

Pipette in Petrischale mit Pilzkulturen

Naturstoffe gegen Infektionskrankheiten: Auch aus Pilzen wie diesen könnten neue Wirkstoffe für Antibiotika gewonnen werden.

InfectControl 2020 (HKI Jena)

Hygienische Architektur

Hygiene fängt bereits bei der Planung von öffentlichen Gebäuden, insbesondere von Krankenhäusern, an. Deshalb gehören auch engagierte Architekten der TU Braunschweig zu InfectControl 2020. Die räumliche Anordnung in Kliniken – zum Beispiel die Trennung von infektiösen und nicht infektiösen Bereichen – oder Desinfektionsmöglichkeiten für die Hände spielen eine entscheidende Rolle bei der Übertragung von Keimen. Multiresistente Erreger werden überwiegend durch direkten Kontakt übertragen. Deshalb wären mehr Einzelzimmer in Krankenhäusern sinnvoll. Aus Kostengründen wird das jedoch häufig nicht realisiert. Die Braunschweiger Architekten und Mediziner der Berliner Charité prüfen nun im Rahmen des InfectControl-Projektes KARMIN, ob eine bessere Infektionsprävention auch in Zweibettzimmern möglich ist. Zu den Lösungsansätzen gehören getrennte und selbst desinfizierende sanitäre Bereiche. Gemeinsam mit dem Firmenpartner Röhl GmbH wird ein infektionssicheres Zweibettzimmer als Demonstrator aufgebaut und getestet.

Gefährliche Kontakte

Krankheitserreger können aber auch von Tieren auf Menschen übertragen werden. So genannte Zoonosen nehmen zu, seit 1980 haben sich die registrierten Fälle verdreifacht. Die Übertragungsmöglichkeiten sind vielfältig. Durch den Biss einer Zecke können beispielsweise Viren und Bakterien übertragen werden, die lebensbedrohliche Hirnhautinfektionen hervorrufen. Um die oftmals unspezifischen Symptome so schnell wie möglich zu analysieren und zu behandeln, entwickelt die InfectControl-Forschungsgruppe RAPiD mobile Diagnosesysteme. Solche Tests sind äußerst relevant, da Zoonosen weiter zunehmen können, unter anderem durch die Klimaerwärmung.

In Schutzkleidung gehüllter Mitarbeiter im Labor

Besser impfen: Die Entwicklung und Produktion neuer Impfstoffe (hier bei der IDT Biologica GmbH in Dessau) sowie vorsorgliches Impfen können Infektionen verhindern. 

InfectControl 2020 (HKI Jena)

Vorbeugende Maßnahmen

Auch der Impfstatus von Patienten soll künftig mit mobilen Analysemethoden, die im Rahmen von InfectControl entwickelt werden, innerhalb kürzester Zeit getestet werden. Insbesondere bei Kindern, älteren Menschen und Vielreisenden können so Infektionen vermieden werden. Wie wichtig es ist, Vorbehalte gegen das Impfen und die Impfmüdigkeit zu reduzieren, betonte Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts auf der Veranstaltung in Jena. In den drei Tagen des Erfahrungsaustausches wurde deutlich: Die Bekämpfung von Infektionskrankheiten gehört zu den größten Herausforderungen unseres Jahrhunderts. Das kompetente, fachlich breit aufgestellte Team von InfectControl 2020 ist fest entschlossen, sich dieser Herausforderung zu stellen und neue Wege für die globale Gesundheit aufzuzeigen. 

WEITERE INFORMATIONEN

zum Zwanzig20-Konsortium InfectControl 2020