Smarte Bandagen und fühlende Prothesen

Flexible Elektronik trifft auf Medizintechnik – das Innovationsforum Mittelstand flexMED in Dresden führt Akteure beider Cluster zusammen, um ein gemeinsames Netzwerk aufzubauen. Ziel ist die Erschließung neuer Geschäftsfelder.

Ob zur Therapie von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Arthrose und Diabetes oder zur Behandlung von Störungen des Zentralnervensystems und nicht zuletzt im Pflegebereich: Zahlreiche Märkte eröffnen sich aus neuen Kombinationen von flexibler Elektronik und Medizintechnik. Initiator von flexMED ist das Innovationsnetzwerk Organic Electronics Saxony (OES), führender Cluster Europas für organische Halbleiter. „Im Gegensatz zur klassischen Elektronik ist die organische, flexible und gedruckte Elektronik ultradünn, extrem leicht und hat eine gute Umweltbilanz“, sagt OES-Geschäftsführer Dominik Gronarz. Der gedankliche Weg zu Anwendungen im medizinischen Bereich liege da nahe.

Um in Erfahrung zu bringen, welche Potenziale der flexiblen Elektronik für die Medizin und Medizintechnik interessant sein können, trafen sich über 200 Akteure aus diesen Bereichen zwei Tage lang im Dresdner Hygienemuseum. Sie nahmen nicht nur viele neue Kontakte mit nach Hause, sondern auch schon erste Ideen für gemeinsame Produkte oder Dienstleistungen.

Flexibler Display in Bandage

Flexible Bauteile ermöglichen neue Anwendungen in der Medizin, z. B. flexible Anzeigen oder gedruckte Piezosensoren.

Organic Electronics Saxony GmbH

Vorreiter-Ideen

Mit Materialvielfalt und neuen Technologien ist ein enormer Innovationssprung möglich, der allerdings nur im interdisziplinären Miteinander gelingt. Entsprechende Vorreiter-Ideen wurden vorgestellt: Flexible Leiterplatten auf dehnbaren Substraten etwa passen sich den Eigenschaften von Haut und Nerven an. In Pflaster oder Bandagen integriert können sie präzise Daten sammeln und so Vitalparameter überwachen. Oder sie werden zur LED-Lichttherapie eingesetzt. Und es gibt noch viele weitere Beispiele. Intelligente Displays auf Verpackungen von Medikamenten können die Sicherheit und Schnelligkeit von klinischen Studien erhöhen. Bioelektronik im Einsatz zur Tiefenhirnstimulation, wie etwa bei Parkinson, kann eine Alternative zu Medikamenten sein. Die Oberfläche von Prothesen könnte mittels flexibler Elektronik mit Druckempfinden ausgestattet werden. Ein paar Entwicklungsschritte weiter könnte die organische flexible Elektronik sogar bewirken, dass sich temporäre Implantate im Körper selber abbauen.

Land der Ideen

Es gehört zu den von Organic Electronics Saxony, Wünsche und Bedarfe sowie vorhandenes Knowhow aus verschiedenen Bereichen zusammenzubringen. Kürzlich wurde das OES als einer von 100 „Ausgezeichneten Orten im Land er Ideen“ in Sachsen 2018 ausgewählt. Auch für das Innovationsforum Mittelstand haben die Initiatoren eine neue Idee kreiert: flexMED-konkret. Das Format wurde den Teilnehmern anschaulich als „Nuss sucht Nussknacker“ beschrieben. Akteure, die vorher ihren Bedarf angemeldet hatten, stellten ihr Projekt kurz vor, um zielgerichtet Partner mit Kompetenzen aus anderen Fachgebieten zu finden. Lösungen für Anzeigensysteme in Bandagen, deren textile Struktur erhalten bleiben muss, war nur eines von vielen praktischen Beispielen. Die Veranstaltung machte klar, dass es vor allem im Bereich der Zulassungsregularien großes Interesse an interdisziplinärer Zusammenarbeit besteht.

In dem Knüpfen von Kontakten sehen die Organisatoren des Innovationsforums erste Knoten für ein weitreichendes Netz. „Ziel dieser Großveranstaltung ist ein Cross-Cluster-Netzwerk, in das sich Akteure aus der flexiblen Elektronik, der Medizintechnik und aus den Life Sciences einbinden“, fasst Dominik Gronarz zusammen.

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