Strukturwandel mit Leichtigkeit

„Leichtbauforschung für den Strukturwandel“ war das Thema des 16. Leichtbauworkshops an der BTU Cottbus-Senftenberg. Er machte einen Wandel in der Forschung für den Leichtbau deutlich. Der 3D-Druck ist auch hier eine neue Schlüsseltechnologie.

Wie seit vielen Jahren nimmt der Geschäftsführer der Kraftwerks-Service Cottbus Anlagenbau GmbH (KSC) den Weg zum Panta Rhei-Gebäude, um beim mittlerweile 16. Cottbuser Leichtbauworkshop dabei zu sein. Überrascht stellt Michael Stein fest: In der Tagungsecke stehen jetzt ein 3D-Metalldrucker und eine Anlage zur Herstellung von Faserverbundbauteilen für die Luftfahrt. Die traditionelle Informationsveranstaltung für die regionale Wirtschaft musste in einen Hörsaal der Brandenburgisch Technischen Universität Cottbus-Senftenberg umziehen. „Leichtbauforschung für den Strukturwandel“ – so in diesem Jahr das Thema. Die KSC gestaltet diesen Wandel aktiv mit. Sie gehört zu den Geldgebern für die Stiftungsprofessur von Holger Seidlitz: „Leichtbau mit strukturierten Werkstoffen“. Das InnoProfile-Transfer-Vorhaben wird vom Bundesforschungsministerium gefördert. Der Erfolg ist sichtbar, auch hier im interdisziplinären Forschungszentrum für Leichtbauwerkstoffe „Panta Rhei“. Ein zweites Gebäude ist bereits im Bau, eine neue Laborhalle wird derzeit bezogen. Die Vertreter der regionalen Wirtschaft freut es. In enger Nähe zur Uni entwickeln sie hier maßgeschneiderte Lösungen zur Anpassung ihrer Wertschöpfungskette an die Herausforderungen des Strukturwandels in der Lausitz. Holger Seidlitz ist ihnen als „Transferpate“ ein erster Ansprechpartner. Sein Team ist überaus erfolgreich im Einwerben von Drittmitteln und der marktfähigen Umsetzung von Innovationen in den Unternehmen.

Die Mitglieder der Nachwuchsforschungsgruppe „Leichtbau mit strukturierten Werkstoffen“ halten gemeinsam ein Leichtbauteil in die Kamera.

Die Nachwuchsforschungsgruppe „Leichtbau mit strukturierten Werkstoffen“ hat den Durchblick. Von Links: Matthias Wolf, Sebastian Fritzsche, Niklas Vogt, Holger Seidlitz, Nikolas Tsombanis mit einem BMW-i3-Seitenrahmen.

PRpetuum GmbH

Wissenstransfer nimmt zu

Katrin Salchert, Vizepräsidentin der BTU, bezeichnet die Entwicklung des Panta Rhei-Forschungszentrums auch als Ausdruck wachsender Kompetenz einhergehend mit steigender Anerkennung in Industriekreisen. Betriebe würden mit ihren Problemen und Bedürfnissen auf die Uni zugehen, um neueste wissenschaftliche Erkenntnisse in ihren Herstellungsprozess zu transferieren. „Mithilfe des neu gegründeten Referates ,Patente und Lizenzen‘ sollen viele weitere Kooperationsprojekte angeschoben werden“, sagt die Vizepräsidentin.

Vier Patente sind im Kontext zu Leichtbauthemen angesiedelt. Holger Seidlitz und seine Nachwuchswissenschaftler halten da die Fahne hoch, beziehungsweise an diesem Tag zur Demonstration für die Workshop-Teilnehmer den Seitenrahmen eines BMW i3. Die Fahrgastzelle des Elektroautos ist ein Leichtgewicht aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff. „Sie muss das hohe Gewicht der Elektrobatterie ausgleichen“, sagt Seidlitz. Der Professor für Leichtbau ist stolz, dass er einen von insgesamt vier Rahmen hat, die BMW zu Lehr- und Lernzwecken an wissenschaftliche Einrichtungen vergibt.

„Das Interesse am Leichtbau wächst hauptsächlich im Transportwesen, wo Masse schnell beschleunigt und wieder abgebremst werden muss“, sagt Seidlitz. Betriebe aus der Region sind Zulieferer für die Luft- und Raumfahrt, für den Schienenfahrzeug- und Automobilbau. Inzwischen, so Seidlitz, wachse auch die Nachfrage nach innovativen Recyclingtechnologien für Faserverbundwerkstoffe aus kompakten Bauteilen wie etwa aus Windkraftanlagen.

Animation des Türaufprallträgers aus strukturiertem Werkstoff

Der Türaufprallträger aus strukturiertem Werkstoff wird quer in die Autotür eingebaut und nimmt bei einem Crash viel Energie auf.

BTU Cottbus

3D-Druck im Leichtbau

Die Kraftwerks-Service Cottbus Anlagenbau GmbH steckt mittendrin in ihrem unternehmerischen Wandel. Aus dem Service-Standort Hagenwerder ist ein Fertigungsstandort für den Schienenfahrzeugbau geworden. Jetzt greift Geschäftsführer Michael Stein nach den Sternen, sprich nach dem Know-how der BTU, um Technologieführer zu werden. Er ist Bündnispartner im BMBF-geförderten Strukturwandel-Pilotprojekt „Modulares Leichtbau-Gerätecontainer-System“. Das verschaffe ihm Kompetenzen, mit denen er sich neue Geschäftsfelder eröffnet, sagt Stein. Der Container, den er herstellen will, soll der weltweit erste in Leichtbauweise sein. Er werde etwa 20 Prozent des Gewichts der bisherigen einsparen, in denen Batterien, Klimaanlagen, Transformatoren und Hydrauliksysteme von Straßenbahnen oder Bussen untergebracht sind.

Einig sind sich die Wissenschaftler darin, dass der Leichtbau durch die additive Fertigung immens an Fahrt gewinnt. Hochbelastbare Bauteile im Gerätecontainer-System beispielsweise können gut im 3D-Druck hergestellt werden – was bereits Prototypen zeigen.