Tauchsieder an Windparks hängen?

Allein im Land Brandenburg stammen schon heute 70 Prozent des verbrauchten Stroms aus erneuerbarer Energie. An nicht wenigen Tagen gibt es sogar zu viel davon. Wohin dann mit dem vielen Ökostrom? Das Innovationsforum „Power to Heat“ hat eine Idee.

„Es gibt auch Tage wie diese: Mehr als eine Woche lang hatte sich im Januar 2017 eine graue tiefhängende Wolkensuppe über die Mark Brandenburg gelegt“, kann sich Hendrik Fischergut erinnern. Der Staatssekretär im brandenburgischen Wirtschaftsministerium wählte bewusst diesen Einstieg beim Innovationsforum an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg BTU: „In dieser Zeit kamen bis zu 90 Prozent des benötigten Stroms aus Lausitzer Braunkohle. Diese Realität dürfen wir nicht aus den Augen verlieren, auch wenn die Kohleverstromung im Land des roten Adlers endlich ist.“

Wenn sich die Windräder drehen und die Sonnenstrahlen auf die Kollektoren knallen, dann sind die Stromkabel bis zum Platzen mit Energie gefüllt. Gerade im Norden und Osten Deutschlands geraten die vorhandenen Leitungsnetze rasch an ihre Kapazitätsgrenzen, unterstrich Georg Meyer-Braune vom Netzbetreiber 50hertz. Sein aktuelles Fazit: „Zurzeit müssen wir die Betreiber der Windparks dann zum Abschalten ihrer Anlagen auffordern. Das ist technisch und volkswirtschaftlich unsinnig, aber momentan nicht anders zu regeln.“ Helfen aus seiner Sicht könne dagegen nur der konzentrierte Ausbau der Stromnetze. Da sei man dran.

Neue Alternativen

Gebäude des Besucherzentrums "Intelligente Energienetze" auf dem Campus der BTU Cottbus-Senftenberg

Informationen aus erster Hand bietet die BTU auf ihrem Campus im Besucherzentrum "Intelligente Energienetze".

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Neue Alternativen sieht Felix Müsgens vom Lehrstuhl Energiewirtschaft der BTU in der Technologie „Power to Heat“. Der Wissenschaftler hat dabei beispielsweise die großen Fernwärmenetze, die Dampf erzeugenden Industrieanlagen sowie die gesamte Infrastruktur der Kraftwerke mit Kraft-Wärmekopplung im Visier: „Anstatt die Windräder still zu schalten, kann der überschüssige saubere Strom genutzt werden, um benötigte Wärme damit zu erzeugen.“

„Technologie wartet auf Bürokratie“ – so konnte man zahlreiche Wortmeldungen unter anderem von leitenden Mitarbeitern von Stadtwerken begreifen, die in Cottbus dabei waren. Vor allem warte man auf Veränderungen im Energiewirtschaftsgesetz, damit im regulierten Markt der erneuerbaren Energien zum Beispiel überschüssiger Strom in lokalen Blockheizkraftwerken für die Wärmerzeugung betriebswirtschaftlich sinnvoll genutzt werden kann. Aber zu Konditionen, die Erlöse planbar und möglich machen. Nach Expertenmeinung vermeidet der Einsatz von 1 Megawatt elektrischer Leistung in Bereich Power to Heat in Verbindung mit einer Anlage zur Kraftwärmekopplung das Abschalten von rund 2 Megawatt Windstrom. Für einen volkswirtschaftlich sinnvollen Betrieb benötigt eine Power-to-Heat-Anlage derzeit etwa 750 Betriebsstunden im Jahr.

Das jetzt entstandene Netz von Wissenschaftlern und Unternehmern will Felix Müsgens nun nicht mehr loslassen: „Die Technologie ist so weit gereift, dass wir mit unserer Initiative die offenen Fragen der Wirtschaftlichkeit und der Gesetzgebung aktiv beantworten wollen und werden.“ Ein Tauchsieder allein am Windpark sei noch nicht die Lösung.

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