Textile Intelligenz

Mit einem Innovationsforum in Weimar 2008 hat alles begonnen. Heute ist „SmartTex“ ein erfolgreiches Netzwerk, das die Entwicklung smarter Textilien unterstützt und weit über die Grenzen Thüringens hinaus agiert.

Knapp 100 Leute aus ganz Deutschland, der Schweiz, Holland, Tschechien und Slowenien sind zum Netzwerktreffen an das Institut für Angewandte Bauforschung nach Weimar gekommen. „Anfangs waren wir bei solchen Meetings gerade mal 16 “, sagt Netzwerkmanager Klaus Richter. Um neue, intelligente Textilien auf den Markt zu bringen, vermitteln Richter und sein Team zwischen Forschungseinrichtungen und mittelständischen Unternehmen, die keine eigenen Entwicklungsabteilungen haben.

Gestickte Implantate

Die klare Orientierung am Markt zeigt sich bei den Präsentationen der SmartTex-Partner auf dem aktuellen Treffen in Weimar. So hat das Institut für Spezialtextilien und Flexible Materialien TITV e.V. in Greiz gemeinsam mit Medizinern und anderen Forschungspartnern gestickte Implantate aus Formgedächtnislegierungen entwickelt. Die Implantate dienen zur Rekonstruktion des Gesichtsknochens bei Frakturen unter dem Auge. Momentan werden dafür sehr haltbare, starre Materialien wie Titan genutzt, die nur durch einen komplizierten operativen Eingriff eingesetzt werden können. Das ist mit größeren Risiken verbunden: Sehnerv oder Tränenkanal können dabei verletzt werden. Wenn die Implantate stattdessen aus Formgedächtnisdrähten gestickt werden, sind sie bei gleicher Stabilität sehr viel leichter und flexibler. Der Chirurg kann sie mit einer kleinen, endoskopischen Operation einsetzen. Das ist schonender für den Patienten und reduziert die Verletzungsgefahren.

Nahaufnahme des Stückes einer leichten, flexiblen Stickerei aus einer Formgedächtislegierung.links. Rechts im Bild ist eine Stickrei aus einem gröberen Metall.

Leichte, flexible Stickerei statt schweren, starren Metalls: Das Implantat aus gestickten Formgedächtnisdrähten (links) könnte konventionelle aus Titan künftig ersetzen.

PRpetuum GmbH

Gesundheitscheck im T-Shirt

Foto eines jungen Feuerwehrmannes mit der Arbeitskleidung aus smarten Textilien.

Mehr Sicherheit beim Einsatz: Mit Arbeitskleidung aus smarten Textilien könnten Feuerwehrmänner jederzeit geortet und ihre Gesundheit überwacht werden.

applycon/PRpetuum GmbH

Menschen mit Hilfe intelligenter Textilien zu schützen – das ist auch Ziel eines Projekts, an dem das Institut für Textil- und Faserforschung im baden-württembergischen Denkendorf beteiligt ist. Ihre Zielgruppe sind Feuerwehrleute, die laut einer US-amerikanischen Studie beim Einsatz häufiger an Herz-Kreislaufversagen sterben als an Rauchvergiftungen. Um das zu verhindern, haben die Denkendorfer ein smartes T-Shirt entwickelt, das die Feuerwehrmänner unter ihrer Schutzkleidung tragen können. Eingewebte Sensoren messen regelmäßig Vitaldaten wie Herz- und Atemfrequenz sowie die Körpertemperatur. Gleichzeitig werden Funksignale zur Lokalisierung gesendet, so dass der Einsatzleiter jederzeit weiß, wo sich seine Leute aufhalten. Das T-Shirt ist bereits unter realen Bedingungen getestet worden und jederzeit einsatzfähig, allein die Herstellungskosten sind noch zu hoch.

Smarte Masche

Es gibt aber auch SmartTex-Entwicklungen, die schon auf dem Markt sind. Dazu gehört eine spezielle Jacke aus der traditionellen Strickmanufaktur Zella in dem gleichnamigen thüringischen Ort. Sie enthält drahtlose, gestrickte Tasten, mit denen – ähnlich wie mit einer Fernbedienung – Geräte gesteuert, Türen geöffnet oder gar Notrufe gesendet werden können. Der Markt für intelligente Textilien ist groß und das Entwicklungspotential ebenso, davon ist SmartTex-Chef Klaus Richter überzeugt: „Die Textil- und die Hightech-Industrie sind in Deutschland sehr stark und gemeinsam können sie viel erreichen.“

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