Textilien werden zu Geräten

Der Kunststoffbahnenhersteller VOWALON war kürzlich Gastgeber für das Konsortialtreffen des Zwanzig20-Konsortiums "futureTEX". Das Bündnis hat die Entwicklung neuer Wertschöpfungsketten für technische Textilien zum Ziel.

Kunstleder ist im Trend – auch, weil das Material inzwischen mit ganz neuen, den Kundenwünschen entsprechenden Eigenschaften ausgestattet wird. Einer der Innovationstreiber auf diesem Gebiet ist die Vowalon Beschichtung GmbH im vogtländischen Treuen, ein Standort inmitten der traditionellen ostdeutschen Textilregion. Auch wenn diese vom wirtschaftlichen Strukturwandel nach 1990 stark betroffen ist, sind fachliche Kompetenzen hier immer noch vor Ort; wie etwa bei Vowalon. Jährlich werden hier circa 15 Millionen Quadratmeter hochwertige Textilbeschichtungen auf der Basis von Kunststoffen beziehungsweise Kunstharzen hergestellt und in 50 Länder exportiert.

Sessellift vor Bergpanorama

VOWALON-Kunststoffleder mit spezieller Oberflächenversiegelung kommt unter anderem im Sessellift zum Einsatz.

VOWALON Beschichtung GmbH

1992 war das über 100-jährige Unternehmen aus DDR-üblicher Kombinatsstruktur per Management-Buy-Out hervorgegangen. Kurz darauf brach das Russlandgeschäft weg. „Auf neuen Erfolgskurs brachten uns die richtigen Entscheidungen über Großinvestitionen – nicht nur in modernste Maschinen und Anlagen, sondern auch in innovative Ideen“, sagt Gregor Götz. Er und seine Schwester Mareen führen die Geschäfte des Vaters weiter. Vowalon ist mittlerweile einer der weltweit führenden Spezialkunstlederhersteller. Zu seinen Entwicklungen gehören Weltneuheiten wie Kunstleder für die Herstellung von Arbeits- und Feuerschutzbekleidung sowie Versiegelungen für Kunststofflederoberflächen, die vor dem Eindringen aggressiver Haarfärbe- oder Desinfektionsmittel sowie von Kaffee und Rotwein schützen.

Der Sprung voraus

Bei der Entwicklung neuer Produkte kooperiert Vowalon eng mit Forschungseinrichtungen – und ist auch ein bedeutender Knotenpunkt im Netzwerk von futureTEX. „Um uns auf dem globalen Markt zu halten, müssen wir immer einen Sprung voraus sein und den Mut haben, neue Wege zu gehen; futureTEX bietet uns da beste Möglichkeiten“, sagt Mareen Götz. Das futureTEX-Konsortium wird durch das Bundesforschungsministerium im Rahmen des Programms „Zwanzig20 – Partnerschaft für Innovation“ gefördert. Es umfasst mittlerweile über 300 Unternehmen, die eine gemeinsame Vision haben: Im 21. Jahrhundert soll sich die ostdeutsche Traditionsbranche auf dem Weltmarkt der technischen Textilien einen Spitzenplatz erobern.

Hochleistungsanlage zur Kunststofflederproduktion

Blick in eine Hochleistungsanlage zur Kunststofflederproduktion bei Vowalon.

VOWALON Beschichtung GmbH

„Auf dem Weg dorthin steht die digitale Textilfabrik“, sagt Andreas Berthel, kaufmännischer Geschäftsführer des Sächsischen Textilforschungsinstitutes (STFI) in Chemnitz. Er ist einer der geistigen Väter von futureTEX und leitet das Konsortium. „Einzelne futureTEX-Vorhaben treten jetzt verstärkt in die Phase des Technologietransfers“, sagt Berthel, und dass der Schritt aus der Entwicklung in die Produktion mit großen Herausforderungen verbunden sei. Da werde das futureTEX-Netzwerk hilfreich zur Seite stehen. Auch darum war das Vorzeigeunternehmen VOWALON Gastgeber des letzten Bündnistreffens.

Vorbereitung der Markteinführung

Die futureTEX-Projektinhalte fügen sich zur gesamten Wertschöpfungsketten der Zukunftsbranche. An deren Anfang stehen gänzlich neue Technologien, die die Textiltechnik mit dem Maschinenbau und der Elektronik verknüpfen. Bei der Produktherstellung geht es unter anderem um das Bedrucken von Textilien mit Photovoltaik, um sie als Energiequelle zu nutzen. Andere Textilien werden mittels Spritzguss mit Sensoren versehen und erhalten elektronische Eigenschaften, beispielsweise für Überwachungsfunktionen, die für die Logistik- oder Medizinbranche interessant sind. Des Weiteren finden Carbonfasern eine hochwertige Wiederverarbeitung in Vliesstoffen für den Leichtbau, und Kunstleder wird zum Träger für Pflastermaterialien mit medizinischen Wirkstoffen oder von Sensorik zur Erfassung von Körperfunktionen. Am Ende brauchen all die neuen Produkte auch entsprechende Geschäftsmodelle. Das Ziel der erfolgreichen Markteinführung vor Augen kündigt Andreas Berthel die Entwicklung einer Matrix an, die bei der Bewertung der Vorhaben helfen soll.