Tradition trifft Digitalisierung

Die Industrie 4.0 ist auch in der Textilbranche angekommen. Für die digitale Vernetzung der Produktion sind neue Konzepte gefragt. FutureTEX zeigt in Chemnitz, wie es sich dieser Herausforderung stellt.

Viele Arbeitsschritte in der Textilproduktion werden bis heute von Hand erledigt. Deshalb gibt es in dieser Branche ein großes Automatisierungspotenzial. Neben effizienteren Produktionsprozessen und der besseren Ressourcennutzung könnte damit auch eine stärkere Individualisierung erreicht werden. Das heißt, jeder individuelle Wunsch der Auftraggeber wird binnen kürzester Zeit realisiert. Möglich wird das durch Automatisierung, unter anderem durch die Vernetzung von Produktionsmaschinen. Das verkürzt die Arbeitsabläufe und spart damit Zeit, Energie und Rohstoffe. Um ihre Ideen in die Praxis umzusetzen, haben Wissenschaftler des futureTEX-Projekts „Smart Factory“ gemeinsam mit Unternehmen digitale Modelle entwickelt, die branchentypische Strukturen und Prozesse visualisieren. In einem nächsten Schritt sollen den Textilproduzenten die Vernetzungsmöglichkeiten in einer so genannten Smart Factory – der Textilfabrik der Zukunft – aufgezeigt werden.

Mitarbeiter scannt mit Tablet Produktionsmaschine

Smarte Kontrolle: Mit mobilen Computern wird der Wartungszustand einer Textilmaschine auf einen Blick erfasst. Ein Demonstrator ist bei futureTEX bereits entwickelt worden.

Ines Escherich, STFI

Massenhafte Individualität

Dass sich Individualisierung und Massenproduktion nicht ausschließen, hat die Forschungsgruppe „Mass Customization“ gezeigt. Die Kunden sollen sich aktiv an einem stark vernetzten Produktionsprozess beteiligen können. Damit soll gleichzeitig die Herstellung großer Stückzahlen möglich sein. Beispielhaft haben die Wissenschaftler eine digitale Design-Plattform entwickelt, mit der Auftraggeber ihr Produkt online konfigurieren können. Insbesondere bei Textilien lassen sich auf diese Weise Farben und Formen individuell bestimmen. Ein solches Tool könnte direkt in die Webseite der Produzenten integriert werden. Wie die Arbeitsgruppe nach Befragungen von Textilunternehmen festgestellt hat, gibt es bis zur Einführung solcher Lösungen allerdings noch großen Forschungs- und Entwicklungsbedarf.

Offener Austausch

Um Veränderungen herbeizuführen, ist es notwendig, über den Tellerrand hinauszuschauen. „Open Innovation“ ist deshalb nicht nur der Name des dritten Basisvorhabens von futureTEX, sondern es handelt sich um einen Prozess, der eine branchenübergreifende Vernetzung und Ideenfindung voranbringen soll. Textilproduzenten ist das nicht neu. Laut Befragungen des Forschungsteams sind 90 Prozent von ihnen in Netzwerken aktiv, mehr als 60 Prozent nehmen an Open-Innovation-Prozessen teil. Mit der regelmäßig stattfindenden KompetenzWerkstatt hat auch futureTEX eine solche Open-Innovation-Plattform geschaffen. Dort sollen sich deutsche Textilunternehmer noch stärker vernetzen können sowie Methoden und Wissen austauschen. Auf diese Weise soll die Branche langfristig gestärkt werden. Mit dem Abschluss der ersten futureTEX-Basisvorhaben wird nun der Fahrplan des Konsortiums definiert. In den kommenden Jahren geht es dann an die Umsetzung.

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