Treff der Revolutionäre

Der 3D-Druck revolutioniert die Logistikbranche. Ein World Café des Zwanzig20-Konsortiums „AGENT-3D“ in Dresden hat dazu visionäre Ideen hervorgebracht – von an Bord gedruckten Schiffsteilen bis zum völligen Ersatz von Waren durch Daten.

Satelliten oder Raumsonden aus dem 3D-Drucker? Die NASA sähe großes wirtschaftliches Potenzial in der additiven Fertigung vor Ort, sprich auf der Raumstation ISS. Auch die Schifffahrt wage erste Gedanken an 3D-Drucker an Bord, um unterwegs Ersatzteile auszudrucken. Ebenso könne solch ein Drucker auf dem Lkw stehen.

Visionäre auf dem Gebiet der 3D-Produktherstellung brachten viele solcher interessanten Beispiele mit ins Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik (IWS) Dresden. Von hier aus agiert das Konsortium „Agent-3D – Additiv generative Fertigung“ als ein Vorreiter der 3D-Produktherstellung. AGENT-3D gehört zu den Zwanzig20-Projekten, die innovative Lösungen für Zukunftsprobleme entwickeln und dabei vom Bundesforschungsministerium gefördert werden. Kürzlich hatte es zu einem World Café eingeladen – gemeinsam mit dem Bundesverband der deutschen Informations- und Telekommunikationsbranche bitkom. Dieser sieht sich zunehmend auch als Interessenvertreter der Endanwender, etwa in den Bereichen Handel, Logistik, und Gesundheit. Denn eines steht fest: Der 3D-Druck wird unsere gesamte Produktionswelt grundlegend verändern. Viele Fragen gilt es auf den neuen Wegen zu beantworten. „Auch Fragen, die noch gar nicht gestellt wurden“, sagt Projektkoordinatorin Elena Lopez. Ein World Café sei da gerade das richtige Format für einen Workshop. Gekommen waren 3D-Visionäre aus der Hafenwirtschaft, aus der Luft- und Raumfahrt, aus dem Umfeld der Deutschen Bahn, selbstredend aus der Wissenschaft – und sogar die Rechtsprechung saß mit am Tisch.

Teilnehmer des World Cafés blicken in die Kamera.

Das "Zwanzig20"-Konsortium Agent-3D und der Bundesverband der deutschen Informations- und Telekommunikationsbranche bitkom haben zu einem World Café eingeladen.

PRpetuum GmbH

Logistiker werden zu Produzenten

Detlef Protzmann von der Schenker Deutschland AG sieht voraus, wie der 3D-Druck auch seine Branche revolutioniert. DB Schenker bietet internationale Transport- und Logistiklösungen für zahlreiche Branchen – und hat Ideen für ein neues Business-Konzept: Nicht mehr Waren werden versendet, sondern Daten, mit deren Hilfe das Produkt erst kurz vor dem Kunden gedruckt wird. Lange Transportwege würden entfallen. Protzmann sieht zwei neue Geschäftsfelder: Der Logistiker kann Teile für den Eigenbedarf produzieren, und er kann sein Serviceangebot nach außen erweitern.

Holger Perfahl von der DMG Mori AG schlägt die gedankliche Brücke vom Logistiklager zur digitalen Fabrik. Der weltweit führende Hersteller von Werkzeugmaschinen zum Drehen und Fräsen hat seine Kompetenzen schon längst um die additive Fertigung erweitert. In Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer IWS entwickelt das Unternehmen eine übergeordnete digitale Logistik, die die konventionellen Verfahren mit den additiven Technologien zusammenbringt und die eine intelligente Kommunikation zwischen den Maschinen ermöglicht.

Kunden werden zu Produzenten

Geleitet von ihren eigenen Kompetenzen und Erfahrungen brachten die Workshop-Teilnehmer unterschiedlichste 3D-Druck-Ideen aufs Papier. Schnell waren die großen weißen Bögen bunt beschrieben und bemalt. Einig waren sich alle: Die additive Fertigung werde die Produktion etlicher Waren zurück nach Europa holen. Mehr noch: Der 3D-Druck ermögliche in Zukunft die Endfertigung in lokaler Nähe zum Kunden, ja sogar vom Kunden selbst. Allerdings erfordere die additive Fertigung völlig neue Geschäftsmodelle. In diesem Zusammenhang sind noch viele Fragen offen: Inwieweit sind Produzenten bereit, Wissen an andere herauszugeben? Wie wird der Umgang mit dem geistigen Eigentum geregelt? Wie funktionieren Prozessüberwachung und Qualitätskontrolle? Wer übernimmt Produkthaftung und Gewährleistung. Wie wird IT-Sicherheit garantiert?

Am Ende der World-Café-Zeit waren viele Zukunftsfragen gestellt und damit ersten Schritte auf dem Lösungsweg getan.

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