Ungebremst ins Highspeed-Internet

Wegweisend und mit dem Thüringer Innovationspreis ausgezeichnet ist eine Entwicklung des PolyPhotonics Berlin-Bündnisses: Der Poly-Transceiver verschafft Zugang zum Highspeed-Internet.

Nur zirka fünf Millimeter lang ist der optische Chip und eine Welt-Sensation: Er gehört zum ersten hybrid-optischen Baukasten auf Polymerbasis. Dass auf diesem Winzling Fotodioden als Empfänger und Laser als Sender, ebenso Spiegel und Filter Platz haben; dass optische Wellenleiter und Glasfasern präzise in die U-Nuten eingepasst und einander zugeführt werden können, ist ein großartiger Erfolg. Schließlich muss der Kern der Glasfaser genau auf den Kern des Wellenleiters treffen, damit die Daten in ihrem schnellen Fluss nicht ausgebremst werden. Dieser optische Transceiver ist das Herzstück einer Technologieplattform. Seit 2014 sind mit deren Entwicklung 14 Partner aus Wissenschaft und Wirtschaft beschäftigt. Das am Heinrich-Hertz-Institut für Nachrichtentechnik HHI in Berlin angesiedelte Bündnis wird vom Bundesforschungsministerium gefördert. Mittlerweile hat PolyPhotonics Berlin die Nase weit vorn wenn es darum geht, für den Weltmarkt hochleistungsfähige und kostengünstige Bauelemente zu entwickeln, die den Zugang zum Highspeed-Internet ermöglichen.

Bündniskoordinator Crispin Zawadzki (l.) erklärt die Arbeitsweise der Automatic Hybrid Assembly-Anlage.

Bündniskoordinator Crispin Zawadzki (l.) erklärt die Arbeitsweise der Automatic Hybrid Assembly-Anlage. Sie bestückt den Transceiver vollautomatisch. 

PRpetuum GmbH

Thüringer Innovationspreis für Poly-Transceiver

„Das Tolle ist: Wir haben das gesamte Know-how hier bei uns in Deutschland, speziell in der Region Berlin versammelt“, sagt Mirko Lawin von der ADVA Optical Networking SE. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Meiningen ist als Anbieter von Kommunikationstechnik ein Global Player – und trägt zu den Erfolgen von PolyPhotonics maßgeblich bei. Denn der Transceiver wurde in Zusammenarbeit mit dem HHI bei ADVA entwickelt. Dafür gab es den Thüringer Innovationspreis 2018 in der Kategorie „Digitales und Medien“. Der Mobilfunk-Standard 5G werde Datenübertragungsraten bis zu zehn Gigabit pro Sekunde ermöglichen, sagt Mirko Lawin und dass die Art der Datenanbindung der Mobilfunkmasten an das Glasfasernetz für diese höheren Raten nicht geeignet sei. Der Transceiver mit einem neuartigen Laser, dessen Material am HHI entwickelt wurde, könne Daten auf 96 Kanälen gleichzeitig und in der erforderlichen Geschwindigkeit senden und empfangen.

Auch das technische Verfahren des Kommunikationskanals, der den Laser regelt, wurde von ADVA entwickelt. Das Wirkprinzip wurde im Frühjahr 2018 in den internationalen Standard für Telekommunikation aufgenommen.

Spitzenforschung im Wachstumskern

„Seit zehn Jahren hatten wir vor, diesen Kommunikationskanal zu bauen. Innerhalb PolyPhotonics Berlin hat es jetzt geklappt“, sagt Lawin vor der Kamera. Das Bündnis dreht zum Ende der Laufzeit des Wachstumskerns einen Film, um die vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten des PolyPhotonics-Baukastens öffentlich zu präsentieren.

Mirko Lawin von der ADVA GmbH (r.) im Gespräch mit dem Filmteam für das PolyPhotonics Berlin-Imagevideo.

Mirko Lawin von der ADVA GmbH (r.) im Gespräch mit dem Filmteam für das PolyPhotonics Berlin-Imagevideo.

PRpetuum GmbH

Die Chembio Diagnostics GmbH in Berlin beispielsweise entwickelt und produziert Analysegeräte für Schnelltests, die in der Medizin und bei der Polizei zum Einsatz kommen; auch im Lebensmittel-, Veterinär- und Umweltbereich. „Unsere Kunden verlangen nach immer schnelleren Geräten“, sagt Geschäftsführer Volker Plickert und dass ein hybrid-optischer Baukasten auf Polymerbasis ein Quantensprung für Diagnostik und Medizintechnik sein werde. Er bezeichnet das PolyPhotonics-Bündnis als große Chance für Mittelständische Unternehmen, die sich solche Spitzenforschung allein nicht leisten könnten.

Größere Sichtbarkeit für KMU

Auch Jörg Muchametow lobt die Weltmarkt-tauglichen Potenziale von PolyPhotonics. Er ist Gründer der eagleyard photonics GmbH. Das Berliner Unternehmen stellt Hochleistungslaserdioden her, die weltweit ihre Anwendung in der Industrie, den Lebenswissenschaften, in der Raumfahrt und Verteidigungstechnik sowie in der Forschung finden. „Unsere Kunden haben Ideen, für deren Realisierung es bisher keine Dioden gab. Mit der Polymertechnik können wir nun schnelle und kostengünstige Lösungen finden“, sagt Muchametow.

Eines der kleinen Unternehmen im Bunde ist die micro resist technology GmbH aus Berlin; ein Spezialist für die Entwicklung von Wellenleitermaterialien aus Kunststoff, die per Licht strukturiert werden können. Sie werden in verschiedenen Druckverfahren eingesetzt. „Durch die Zusammenarbeit im PolyPhotonics-Bund erreicht unser kleines Unternehmen eine größere Sichtbarkeit“, sagt Arne Schleunitz und hebt positiv das Wertschöpfungsnetzwerk hervor, das in der interdisziplinären Zusammenarbeit entstanden ist.

Dieses Netzwerk wolle auch nach dem offiziellen Ende der Förderzeit zusammenarbeiten, sagt Bündniskoordinator Crispin Zawadzki vom HHI.

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