Viel Wald – mehr Wohlergehen

Die dichten Wälder im südlichen Thüringen bringen gute Luft und Erholung, aber sie bergen auch ein großes Potential für den nachhaltigen Wohlstand einer Region im Wandel. Dieses Potential will das WIR!-Bündnis W3 plus nutzen.

Es riecht nach Nadelholz im großen Saal des Forstlichen Bildungszentrums im thüringischen Gehren. Die Fenster sind weit geöffnet und der Duft der umliegenden Wälder weht durch den voll besetzten, schwülwarmen Raum. Das passende Aroma zu den Grußworten von Olaf Cassiani, einem der W3 plus-Koordinatoren. Die drei "W" stehen für Wald, Wachstum und Wohlstand. Genau das will das Bündnis erreichen: den Wald vor der Haustür besser nutzen für wirtschaftliches Wachstum und Wohlstand. 50 Partner sind bereits im Boot. Zu ihnen gehören unter anderem Holzbaufirmen und forstwirtschaftliche Betriebe, aber auch Handwerkskammern und Bildungsträger.

Sonnenbelichteter Wald

Der Wald als Quelle für Wachstum und Wohlstand: das Thüringer Bündnisses W3 plus will die Ressourcen vor der Haustür besser nutzen.

iStock – AVTG

Nachhaltig und vielfältig

Schließlich spielen auch Wissen und Kommunikation zum Thema Holz eine große Rolle, wie Xaver Haas, Präsident des Deutschen Holzwirtschaftsrates weiß: „Man meint, das Zeugs müsste sich von alleine verkaufen“, sagt er in tiefstem Niederbayerisch. „Ist aber nicht so.“ Mit dem „Zeugs“ meint er das Holz, das in seiner Heimatregion und im benachbarten Baden-Württemberg schon seit Jahrzehnten vielfältig genutzt wird. „Buchenholz eignet sich vor allem für Unterhosen“, scherzt Haas und bringt den Saal damit zum Lachen.

Doch das ist durchaus ernst gemeint, denn Holzhackschnitzel kommen tatsächlich in der Textilproduktion zum Einsatz. Anders als Baumwolle wächst Holz in der Region und benötigt keine intensive Bewässerung. In einer Jeans aus Baumwolle stecken 8.000 Liter Wasser. Holz dagegen ist sehr viel nachhaltiger, auch wenn es als Baustoff genutzt wird. Statt Kohlendioxid zu erzeugen, wie zum Beispiel bei der Herstellung von Beton, ist CO2 im Holz gespeichert. Entgegen vieler Vorurteile ist es außerdem sehr fest, langlebig und brennt langsam. Bei massivem Holz brennt weniger als ein Millimeter pro Sekunde ab.

Nahaufnahme von gestapelten Baumstämmen

Umweltfreundlich und leicht verfügbar: Der heimische Rohstoff Holz lässt sich vielfältig nutzen, zum Beispiel für den Hausbau oder die Textilindustrie.

iStock – Ralf Geithe

Werkstoff der Zukunft

Dennoch wird Holz in Thüringen eher selten zum Bauen genutzt. Nur etwas mehr als 13 Prozent der Neubauten bestehen aus dem heimischen Rohstoff. In Baden-Württemberg sind es ungefähr doppelt so viele. Der Weimarer Holzbau-Architekt Lars Christoph hofft, dass sich das ändert. „Mit Holz kann sehr wirtschaftlich Wohnraum geschaffen werden“, sagt er, „vor allem in größeren Städten.“ Er ist überzeugt davon, dass in Zukunft vor allem mehrgeschossige Häuser mit Holz gebaut werden. Dazu sind allerdings größere Mengen des Rohstoffes nötig.

Momentan werden 60 Prozent des in Thüringen erzeugten Holzes exportiert. Wird mehr gebraucht, muss dazugekauft werden, was sehr unwirtschaftlich ist. W3 plus will stattdessen mehr Holz in der Region behalten und direkt nutzen. Um das zu schaffen, sind neue Technologien für die Bearbeitung von Holz, Ideen für neue Produkte und natürlich junge Fachkräfte gefragt. „Die multifunktionale Nutzung des Waldes soll ins Bewusstsein der Menschen zurückkehren“, betont Friedrich Findeisen, einer der Projektkoordinatoren. Beifall ertönt. Der erste, entschlossene Schritt dazu ist getan an diesem friedlichen Ort, voll frischer Thüringer Waldluft.

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