Virtual Reality seit 1912

1912 gingen in Potsdam-Babelsberg zum ersten Mal die Scheinwerfer für den Stummfilm „Der Totentanz“ an - die Geburt der Traumfabrik Film in Deutschland. Hundert Jahre später entdeckt die Filmuniversität Potsdam die neue „Virtual Reality“.

Rangeen Horami, Leiterin Wissens- und Technologietransfer an der Filmuni Potsdam, und Benjamin Cölle, Projektkoordinator des Innovationsforums „VR“ und selber Filmproduzent, staunten nicht schlecht, als sich der Kinosaal der Babelsberger Filmschmiede bis auf den letzten Platz füllte: „Proppevoll! Da sind wir wohl mit einem spannenden Thema zur richtigen Zeit am richtigen Platz“, strahlten beide.

Aufnahme des Ausstellungsraums der Filmuni mit den Beuchern des Innovationsforums

Wo die Bilder laufen lernten - unweit der Babelsberger Studios war die Filmuni Potsdam  Schauplatz des Innovationsforums VR.

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Hochkaräter als Referenten

„Ist Virtual Reality wirklich mehr als nur eine flüchtige Marketingmode?“, fragte Susanne Stürmer, Präsidentin der Filmuniversität, gleich zu Beginn des Forums mit Blick auf das Foto eines VR-Showtrucks, der quer durch Deutschland tourt. Um dann noch zu ergänzen: „Wenn ja, sind wir hier in Babelsberg prädestiniert zu fragen – wie denken wir VR, wie füllen wir faszinierende Technik mit gutem Inhalt, wie führen wir Anbieter und Anwender zusammen?“ Offensichtlich die richtigen Fragen, denn beispielsweise mit Frank Govaere (UFA Lab), Marius Swoboda (Rolls Royce), Annette Thoma (Konzerthaus Berlin) und Till Meyer (Clustermanager IKT Berlin-Brandenburg) waren gefragte Referenten am Start.

Labore als Schatzkammer

Benjamin Cölle machte keinen Hehl aus der Tatsache, dass sich die ursprünglich konzipierten Arbeitsschwerpunkte im Rahmen der ersten Workshops veränderten: „Dachten wir zuerst an Storytelling, Industrielle Anwendung und Forschung, so erwiesen sich unsere Labore als inspirierende Plattform, als wahre Schatzkammern des Disputs.“ Drei Labore kristallisierten sich neu heraus: VR in der Industrie 4.0, Audio-Interaction in VR und Wissensvermittlung in VR.

Begriffe als Basis

Gängig operieren die Fachleute mit den Begriffen Virtual Reality VR und Augmented Reality AR. Während sich der Nutzer bei VR mit Hilfe einer „Brille“ komplett in einer künstlichen Realität bewegt, werden bei AR in die reale Umgebung zusätzliche Informationen eingeblendet, zum Beispiel mit Google Glass. Beide Techniken stehen kurz vor einem breiten Marktdurchbruch, schätzen Experten.  

Aufnahme von Teilnehmern des Innovationsforum, die die VR-Brille tragen

In ihrer eigenen Welt - Teilnehmer erleben einen virtuellen Museumsrundgang

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Richtiger Zeitpunkt als Chance

Marius Swoboda von Rolls-Royce im brandenburgischen Dahlewitz stand vor der Frage: „Hilft uns VR bei der Entwicklung von Flugzeugtriebwerken? Verbessern wir dadurch das Miteinander von Ingenieuren und Designern? Oder ist das alles nur bunt, schick und beeindruckend?“ Seit dem Herbst 2016 hat er die Antworten – der neue VR-Room in Dahlewitz ist ausgebucht. Die Mitarbeiter sind nicht nur beeindruckt, sie haben sich neu in ihre Arbeit verliebt. 

Annette Thoma hat mit ihrem Team das virtuelle Konzerthaus Berlin entwickelt. Ihr aktueller Fokus: Junges Publikum für klassische Musik begeistern. Ihr Traum: Klassik to go – mit dem Smartphone durch das Orchester laufen und neue Klänge entdecken. Dazu ein Kopfhörer mit Bluetooth-Technik für beste Akustik. Und Storytelling vom Feinsten.

Julia Ellrich präsentierte für das Jüdische Museum Berlin eine neue Ausstellungsidee. Ihre Botschaft: Erst die Inhalte definieren, dann die passende Technik wählen. Ihre neue Herausforderung: Wie schaffe ich mit VR ein Gruppenerlebnis?

Das Forum als Start

Wahrscheinlich brachte Frank Govaere vom UFA Lab das Thema VR in der Unterhaltungsindustrie am prägnantesten auf den Punkt, wenn er feststellte: „VR ist die logische Konsequenz im Home-Entertainment. Wir wollen den begehbaren Film, wir brauchen starke Charaktere und Emotionen, wir brauchen eine eigene VR-Sprache.“ Mit Blick auf diese Ziele befinde man sich bei VR zurzeit in der Phase des Schwarz-Weiß-Filmes, aber das Tempo ziehe an.

Diesen Sog werde man durch neue Anwenderworkshops weiter nutzen, so Projektkoordinator Cölle. Es soll weitere Labortreffen geben, um die jetzt angestoßenen Projekte weiter zu verfolgen. Die Traumfabrik in Babelsberg erfindet sich gerade wieder neu.

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