Vom Weltall ins klinische Labor

170 Ideen gewinnen im europäischen Wettbewerb um bahnbrechende Technologie im Bereich der Detektion und Bildgebung – das ZIK innoFSPEC Potsdam ist mit seinem Wissenstransfer von der Galaxienforschung hin zur Krebsbekämpfung dabei.

Gewebeproben

Gewebeproben emittieren Licht ebenso wie Objekte aus dem Weltall.

AIP

Am 21. und 22. Mai fand am CERN in Genf eine Auszeichnungs-Veranstaltung statt, zu der auch Martin Roth, Leiter des Zentrums für Innovationskompetenz innoFSPEC Potsdam, eingeladen war. ATTRACT – eine EU-finanzierte Initiative für Horizont 2020 – verkündete, welche 170 bahnbrechenden Ideen für Wissens- und Technologietransfer im Wettbewerb um ein Fördergeld von jeweils 100.000 Euro ausgewählt wurden. Das Kriterium: Die technologischen Entwicklungen sollen das Potenzial haben, die Gesellschaft zu verändern. Das ZIK innoFSPEC ist unter den Prämierten. „Wir haben gemeinsam mit dem Industriepartner Winlight Systems aus Frankreich ein Projekt eingereicht, das die Behandlung von Krebs voranbringen wird“, sagt der Astrophysiker Roth und kommt auf das Laborexperiment 3D-CANCER-SPEC zu sprechen. Warum haben revolutionäre Entwicklungen heutzutage Namen, die kein Normalbürger versteht? Dabei ist für jeden interessant und nützlich, dass es den Projektpartnern von 3D-CANCER-SPEC gelungen ist, Hochtechnologien aus der Astronomie auf die Krebsdiagnostik zu übertragen. Der Astrophysiker erklärt: „Die Spektroskopie ist eine leistungsstarke Technik, die die Zusammensetzung eines Objekts anhand des von ihm emittierten Lichts bestimmt. Es ist unerheblich, ob dieses Licht von einem Objekt im Weltraum oder dem Körper einer Person auf der Erde ausgestrahlt wird. Krebsgewebe unterscheidet sich so stark von gesundem Gewebe, dass es mithilfe der Raman-Spektroskopie unterschieden werden kann.“

Gerät für klinische Studien

Allerdings dauert solch ein Prozess Stunden. Und bislang müssen den Patienten Gewebeproben entnommen werden. Um den bildgebenden Prozess für den klinischen Alltag tauglich zu machen, plant das ZIK, das am Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP) angesiedelt ist, die spezielle Technik der Integralfeldspektroskopie anzuwenden. Sie wurde speziell für die astronomische Bildgebung des Very Large Telescopes in Chile entwickelt. „Innerhalb der einjährigen Förderphase soll nun ein kompaktes medizinisches Gerät für die Diagnostik entworfen werden, das zur Durchführung klinischer Studien geeignet ist“, sagt Martin Roth.