Wärme neu gedacht

Im Zwanzig20-Forum „Wärmewende“ entwickelt das Deutsche GeoForschungsZentrum in Potsdam gemeinsam mit Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft Konzepte für ein modernes Energiemanagement in ostdeutschen Wohngebieten.

Daniel J. Acksel ist im Untergrund tätig – nicht geheim und schon gar nicht illegal. „Wir punkten mit umfangreicher Erforschung des unterirdischen Raumes“, sagt der Geowissenschaftler. Mit „wir“ meint er das Deutsche GeoForschungsZentrum GFZ auf dem Potsdamer Telegrafenberg und konkret seine Forschungsabteilung „Geotechnologien“. Die betreibt unter anderem Untertagelabore zur Erkundung und Erschließung von Georessourcen. Daniel J. Acksel arbeitet in einem Team, das unter der Erdoberfläche nach Lösungen sucht für eine große Herausforderung der Zukunft: die Energiewende. Die Potsdamer Wissenschaftler berufen sich auf ihre Kompetenzen und wollen ihren Beitrag zur Wärmewende leisten. Etwa die Hälfte des Endenergieumsatzes entfalle auf den Wärmesektor, sagt Acksel. Bislang würden aber nur elf Prozent der Wärme aus erneuerbaren Ressourcen erzeugt. Fazit des Forschungszentrums: Eine erfolgreiche Energiewende braucht auch eine Wärmewende. Vom zukunftsweisenden Projekt „Wärme neu gedacht!“ ließ sich auch das Bundesforschungsministerium überzeugen und fördert die Initiative als eines der Foren im Rahmen des Programms "Zwanzig20 – Partnerschaft für Innovation“.

Marktplatz für Strategien

Aufnahme von Projektkoordinator Daniel J. Acksel

Daniel J. Acksel, Geowissenschaftler am GFZ, koordiniert das Zwanzig20-Forum „Masterplan Wärmewende“.

PRpetuum GmbH

„Wir haben unser Forum als Marktplatz gestaltet, auf dem sich unsere 146 Partner getroffen und ihre Kompetenzen ausgetauscht haben“, sagt Koordinator Acksel. Forschungseinrichtungen, Unternehmen, Verbände und Kommunen hatten sich unter Federführung des GFZ miteinander vernetzt. So seien Wissenschaft und Wirtschaft noch näher zusammengerückt, sagt der Forscher und zieht den Schluss: „Es hat funktioniert. Viele Kooperationen werden auch über das Projekt hinaus bestehen bleiben.“

Acksel hält eine Broschüre in der Hand: „Wärmewende am Beispiel Quartier“. In Studien wurden für fünf exemplarische Standorte Strategien entwickelt, wie eine effiziente Wärmeversorgung aus heimischen regenerativen Energiequellen erfolgen könne. Die Dokumentation fasst Handlungsoptionen und bisherige Umsetzungsschritte zusammen.

Neue Wärmenetze

Skizze des e-Tanks

In einem Potsdamer Wohngebiet soll eine solarthermische Anlage mit einem Erdspeicher, dem so genannten e-Tank, und einer Wärmepumpe verbunden werden.

GFZ

Die Siedlervereine „Eichkamp“ und „Heerstraße“ in Berlin Charlottenburg-Wilmersdorf wollen ihre Siedlungen – 1920 bis 1940 als Gartenstadt erbaut – autark mit regenerativer Energie versorgen. Die Studie gibt ihnen Handlungsempfehlungen etwa zur energetischen Sanierung der Gebäude, zur Einbindung von Blockheizkraftwerk und Geothermieanlage bis hin zur Beantragung von Fördermitteln.

Für Wohngebiete in der Innenstadt von Eberswalde wurden Varianten einer Fernwärmeversorgung geprüft, in die ein solarthermisches Heizwerk eingebunden ist und ein Aquiferspeicher. Der funktioniert, indem wasserführende Schichten im Untergrund Wärme speichern. Ebenfalls in Eberswalde wurden für ein Innenstadtquartier mit Bausubstanz aus unterschiedlichen Epochen Energieversorgungskonzepte in zwölf Varianten erstellt.

Zur effizienten Versorgung eines Potsdamer Wohngebietes mit Wärme aus regenerativen Energiequellen soll eine solarthermische Anlage mit einem Erdspeicher, dem so genannten e-Tank, und einer Wärmepumpe verbunden werden.

Die Bauhausstadt Dessau will ein Fernwärmenetz auf erneuerbare Energien umrüsten. Die Studie gibt mögliche Antworten auf typische Herausforderungen hier wie in anderen ostdeutschen Städten: Die Einwohnerzahl sinkt, Gebäude werden rückgebaut, beziehungsweise werden thermisch saniert. Dadurch sinkt die Abnahme aus dem Fernwärmenetz, das diesen Bedingungen angepasst werden muss.

„Wirf keine Wärme weg!“ steht auf der letzten Seite der Dokumentation. „In diesem Sinne prüfen beziehungsweise gehen die Projektpartner derzeit die ersten Schritte“, sagt Koordinator Acksel.