Wärmecape im Höhenflug

Das „Textile Prototyping Lab“ in Berlin gibt jungen Gestaltern von innovativen Textilien die Chance, modernste Technik und Technologien zu nutzen. Der Prototyp eines Wärmecapes für Langstreckenflüge gehört zu den ersten erfolgreichen Entwicklungen im TPL.

Kunsthochschule Berlin Weißensee, kurz KHB: Gerade gehen hier junge Menschen mit großen Mappen unter dem Arm ein und aus. „Es ist Bewerbungszeit“, erklärt Hochschul-Mitarbeiterin Karina Wirth. Sie selbst kümmert sich um die „fortgeschrittenen“ Kreativen, die ihre Ideen an der Schwelle zur Vermarktung in einen Demonstrator umsetzen wollen. Textildesignerin Karina Wirth gehört zum Team des Textile Prototyping Lab. Im TPL haben junge Textilgestalter die Chance, modernste Technologien und Maschinen zu nutzen, um ihre innovativen technischen Textilentwicklungen zur Marktreife zu führen. Die Prototyping-Werkstatt gehört zum Zwanzig20-Konsortium futureTex.

Karina Wirth zeigt die Wärmedecke

Feelflight-Betreuerin Karina Wirth zeigt das technische Textil, aus dem die Wärmedecke gemacht ist.

PRpetuum GmbH

Stoff mit eingewebtem Schnittmuster

Die Kunsthochschule Berlin Weißensee ist ein Gründungspartner des Textile Prototyping Lab. Eines der ersten Projekte, die von Karina Wirth betreut wurden, war das Feelflight-Konzept von Natalie Peter. Mit einem interdisziplinären Team wollte die Studentin der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe das Thema ihrer Diplomarbeit im TPL umsetzten: ein Stoffcape, in dem sich Passagiere auf Langstreckenflügen wärmen können. In einem Wettbewerb von Telekom und Lufthansa konnte das Feelflight-Team damit überzeugen. „Die Steigerung des Wohlbefindens in der Luftfahrt ist derzeit großes Thema bei der Lufthansa“, erzählt Karina Wirth und rollt den Stoff aus. Das leichte Gewebe aus Merinowolle und Bambuskohlefasern ist mit technischen Funktionen ausgestattet. Zonen im Fuß-und Nackenbereich sowie in der Körpermitte sind individuell beheizbar.

„Ohne das TPL würde es diesen Prototyp so ausgereift nicht geben“, sagt die Textilgestalterin. Sie hatte das „Feelflight“-Team bei der praktischen Umsetzung seines Konzeptes mit Rat und Tat begleitet – und hat selber viel dazu gelernt, etwa was die speziellen Anforderungen an Produkte betrifft, die in der streng regulierten Luftfahrt zum Einsatz kommen dürfen. Und die vor allem nicht viel wiegen dürfen.

Wärmedecke, als Cape getragen

Die Wärmedecke kann wie ein Cape getragen werden.

Feelflight

Was speziell das Wohlfühlen angeht, musste dieses Wärmecape aus einem Material sein, in das die Wärmemodule komplikationslos integriert werden können, in das sich aber auch der Mensch gern einhüllt. Es sollte von außen schmutzabweisend sein und innen weich. Damit das Zusammenlegen des Umhanges nicht kompliziert ist, sind die Faltmechanismen schon in das Gewebe eingearbeitet. Sogar das Schnittmuster ist direkt mit eingewebt, um im Hinblick auf eine Serienproduktion die Weiterverarbeitung zu erleichtern.

Test im fliegenden Labor

Seinen ersten Höhenflug hatte das Wärmecape auf einer Reise des Lufthansa FlyingLabs von München nach Boston. In dem fliegenden Labor fand im September 2018 der Auftakt für die APEX EXPO – das weltweit größte Event zum Thema Passagiererlebnis der Luftfahrtbranche – erstmals über den Wolken statt. Thema einer Konferenz in 10.000 Metern Höhe war das „Passagiererlebnis der Zukunft“. „Neben Vorträgen bot das Lufthansa FlyingLab APEX EXPO auf dem achtstündigen Flug nach Boston auch Gelegenheit, Neuheiten für das Passagiererlebnis direkt an Bord auszuprobieren. Unter anderem ... stand eine smarte temperaturregulierende Decke mit integriertem Nackenkissen von Feelflight zur Auswahl“, ist auf der Internetseite der Lufthansa Group zu lesen.

„Es gab positives Feedback“, sagt Karina Wirth. Dennoch: Wieder auf den sprichwörtlichen Boden der Realität zurückgekehrt, liegen vor dem Feelflight-Team die Mühen der Vermarktung. Potenzielle Märkte müssten nicht zwingend über den Wolken liegen, meint Projektbegleiterin Karina Wirth. Es ließen sich bestimmt auch zu Lande oder zu Wasser Anwender für das Feelflight-Produkt interessieren.

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