…wegen des großen Erfolges eingestellt

Ob zu Pulvermetallen oder Oberflächentechnologien: „Innovationsforen“ schaffen zukunftsfähige Netzwerke. Nun stellt das Bundesforschungsministerium das Förderprogramm ein – und baut es zur bundesweiten Initiative „Innovationsforen Mittelstand“ aus.

Fast zwölf Jahre ist das Ereignis her, von dem Thomas Köck an diesem 4. Juli 2016 berichtet. Doch die Erinnerung des Geschäftsführers des PulverMetallurgischen Kompetenz-Centrums (PMC) Thale ist immer noch lebendig: „Das Innovationsforum ‚Pulvermetalle‘ war die Initialzündung“, erzählt Köck den 280 geladenen Gästen der Auftaktveranstaltung „Innovationsforen Mittelstand“ im Berliner Bundesministerium für Bildung und Forschung. Mit der Produktion und Verarbeitung von Metallpulvern – etwa für Automobilteile und Flugzeugtriebwerke – befassen sich im sachsen-anhaltischen Thale mittlerweile 700 Menschen in 13 Unternehmen. Allein Thomas Köcks PMC beherbergt 10 Mieter mit 135 Mitarbeitern und kooperiert mit Partnern in Österreich, der Schweiz, Schweden und Kanada.

Positive Netzwerkeffekte

„Wir haben einen sehr starken Entwicklungsschritt bei Struktur, Identität und Dokumentation der Innovationsforen beobachtet, wobei der Status auch nach dem Ende der Förderphase stabil ist“, erläutert Thomas Brenner von der Universität Marburg. In den Jahren 2010/11 hat Brenner für das Bundesforschungsministerium die Netzwerkentwicklung von 49 Innovationsforen untersucht.

Von solch positiven Netzwerkeffekten berichtet in Berlin auch Constanze Roth, Kunsthistorikern und Mit-Initiatorin des Innovationsforums „Inn-O-Kultur“: Im Rahmen der für Roth „außergewöhnlichen Partnerschaft“ hätten Restauratoren, Oberflächentechniker, Denkmalpfleger und kleine mittelständische Unternehmen eine gemeinsame Sprache entwickelt, ihre Zielgruppe kennengelernt und die Kreativität hervorgebracht, Technologien auf neuen Gebieten zu nutzen. „Mit Kulturgütern haben wir als industrienahe Forschungseinrichtung InnoVent e.V. ein völlig neues Anwendungsfeld für Oberflächentechnologien geschaffen“, sagt Roth. Daraus seien bis heute nicht nur zwei Forschungsprojekte entstanden, sondern auch eine Anwendergemeinschaft, die sich zweimal im Jahr über die aktuellen Bedürfnisse der Branche austausche.

Aus „Innovationsforen“ werden „Innovationsforen Mittelstand“

Constanze Roth und Thomas Köck sprechen für zwei von rund 180 Innovationsforen, die das Ministerium in den vergangenen 15 Jahren gefördert hat. Nun wird das Programm Innovationsforen eingestellt – wegen des großen Erfolges: „Wir möchten das, was wir in den neuen Bundesländern über Jahre erprobt haben, ab Herbst deutschlandweit finanzieren“, kündigt Bundesforschungsministerin Johanna Wanka bei der Präsentation der „Innovationsforen Mittelstand“ an.

Die neue Förderinitiative basiert auf den Innovationsforen aus der Unternehmen-Region-Programmfamilie, steht allerdings in Zukunft Bewerbern aus ganz Deutschland offen. Interessenten genügt zunächst eine Skizze, um ihre Chancen abschätzen zu lassen. Erfolgreiche Bewerber fördert das Forschungsministerium dann für bis zu neun Monate mit maximal 100.000 Euro. Für die erste Runde, die spätestens Anfang 2017 starten soll, können Projektskizzen bis zum 15. August 2016 eingereicht werden. Bis 2018 sollen in mehreren Auswahlrunden rund 50 Initiativen gefördert werden.

Tipps für Bewerber

Künftigen Bewerbern gibt der Innovationsforen-Analyst Thomas Brenner einige Anregungen und Tipps mit auf den Weg: „Bewerber sollten unter anderem eine gute Idee mitbringen, die zur Region passt, und ein gutes Netzwerkmanagement. Auch eine starke Projektorientierung ist von Vorteil.“ Thomas Köck kann bereits hinter alle drei Punkte einen Haken setzen. Deshalb hat er für das Thema, das seit drei Jahren in Thale keimt, auch schon eine Idee: „Wir haben das Ziel, auch zum neuen Thema Kunststoffrecycling wieder ein Innovationsforum durchzuführen.“ Wenn alles klappt, wird dieses dann im Rahmen der „Innovationsforen Mittelstand“ gefördert.