Weltneuheiten im Fluss-Test

Drei Prototypen der mobilen Mikro-Wasserkraftanlagen des Magdeburger Forschungsvorhabens Fluss-Strom Plus starten in eine praktische Testphase. Sie werden aus dem Bode-Fluss Strom gewinnen und dabei optimiert.

Mikro-Wasserkraftwerke auf dem Bode-Fluss

Kleine Anlage mit hoher Leistung: Die ökologisch verträglichen Mikro-Wasserkraftwerke von Fluss-Strom Plus sind Weltneuheiten.

PRpetuum GmbH

Der Schlosspark von Neugattersleben erwacht aus seinem Winterschlaf. Auch auf dem Europaradweg, der hier entlang des Bodekanals führt, kommt touristische Betriebsamkeit „ins Rollen“. Dass sich seit kurzem auf diesem Abschnitt des Saale-Nebenflusses ebenfalls Räder drehen, veranlasst die Ausflügler wie auch die Einheimischen zum Anhalten und Staunen. Heiko Krause, der oft hier vor Ort ist, um den Aufbau der mobilen Mikro-Wasserkraftwerke anzuleiten, beantwortet gern die Fragen. Sein Ingenieurbüro in Plauen konzipiert solche kleinen handlichen Anlagen, die aus frei fließendem Wasser Energie gewinnen. Er und Mario Spiewack von der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg koordinieren den Wachstumskern „Fluss-Strom Plus“, der vom Bundesforschungsministerium gefördert wird. Das Konsortium sieht sich nun seinem Ziel zum Greifen nahe: Es hat das Wirkungsprinzip der historischen Flussmühlen mit Hilfe neuester Technologien weiter entwickelt, um kleine mobile und effiziente Stromerzeuger bezahlbar herzustellen. Im Testeinsatz unter anderem hier auf der Bode werden sie weiter optimiert – Rentabilität darf Umweltverträglichkeit nicht ausschließen.

Buhnen aus Stoff

Für die Bündnispartner aus Mitteldeutschland ist es der zweite Ausflug an das „Demonstrationsgewässer“ in Sachsen-Anhalt. Wo sie vor drei Jahren im Kanu entlang paddelten, gehen im Mai dieses Jahres drei Prototypen der mobilen Flusswasserkraftanlagen in die Testphase. Es seien weltweit die ersten schwimmenden Mikro-Wasserkraftwerke überhaupt, die sich Fließgewässer mit Tiefen unter einem halben Meter und mit niedriger Fließgeschwindigkeit für die Energiegewinnung nutzbar machen – und zudem den Fluss so umgestalten, dass sich gleichzeitig dessen Gewässerökologie verbessert, sagt Mario Spiewack und lenkt den Blick auf die grünen Buhnen. Sie sind aus ökologisch verträglichen Textilien hergestellt. Die Buhnen steuern die Fließgeschwindigkeit in der Hauptrinne und sorgen dafür, dass die Anlage optimal arbeitet. Was sie aushalten müssen, bzw. wie wichtig deren Unterhaltung ist, wird offensichtlich angesichts des vorbeischwimmenden Treibgutes. Um die Anlagen beobachten zu können, sind am Ufer solarbetriebene Videokameras installiert.

Schwimmkörper aus Stoff

Buhnen auf dem Bode-Fluss

Die Buhnen bestehen aus ökologisch verträglichen Textilien.

PRpetuum GmbH

Ein entscheidendes Kriterium der ökologischen Verträglichkeit der Anlagen ist deren Durchlässigkeit für Fische und andere Wasserbewohner. Die Forschungspartner aus dem Teilprojekt „Kaskade fischfreundliches Wehr“ berichten von positiven Tests im Versuchskanal im Hubert-Engels-Labor an der TU Dresden. Die Auf- und Abstiegshilfen für die Flussbewohner sind hydraulisch und pneumatisch angetriebene Schwimmkörper, gefertigt aus 3D-Textilien. Das sind Stoffe, die durch die Herstellung im additiven Verfahren mit bestimmten zusätzlichen Eigenschaften ausgestattet sind und sich in diesem Falle selbstregulierend an die Strömungsbedingungen im Wasserrad anpassen. Wie sich Fische in einem realen Fließgewässer verhalten, sei jetzt die aktuell spannende Frage, sagen die Projektpartner. Um sie zu beantworten, installieren sie an den Testanlagen Unterwasserkameras. Innerhalb des Forschungsprojektes wurden zu diesem Zweck stromlinienförmige wasserdichte Kameragehäuse konstruiert, die in verschiedenen Größen vom 3D-Drucker gefertigt werden und sich ohne großen Aufwand aufbauen lassen.

Und wohin mit dem Strom aus dem Fluss? Zunächst kommt er in dem blauen Container am Ufer der Bode an. „Es könnte eine Ladestation für Elektrofahrräder damit versorgt werden“, sagt Mario Spiewack – auf alle Fälle solle hier das „Plus“ im Forschungsprojekt Fluss-Strom Plus auf eine konkrete Anwendung hinweisen.