Weltweit erster Wasserstoffmotor

Wasserstoff ist ein Energieträger der Zukunft – davon sind Motorenforscher aus Sachsen-Anhalt überzeugt. Innerhalb des Zwanzig20-Konsortiums HYPOS entwickelt das WTZ Roßlau den weltweit ersten Wasserstoff-Kreislaufmotor.

„Nichts auf der Welt ist so mächtig wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist“. In der Wissenschaft kennt man dieses Zitat von Victor Marie Hugo. Genau jetzt sei die Zeit für den Wasserstoff-Kreislaufmotor gekommen, sind sich Carsten Tietze und Manuel Cech sicher. Die beiden Maschinenbauingenieure erforschen und entwickeln im Wissenschaftlich-Technischen Zentrum für Motoren- und Maschinenforschung in Dessau-Roßlau effiziente und umweltfreundliche Antriebskonzepte. Ihrer Generation wird es gelingen, eine Idee zu verwirklichen, die schon den U-Boot-Konstrukteuren Anfang des 20. Jahrhunderts im Kopfe herumschwirrte: Wie kann ein Motor mit Sauerstoff und Wasserstoff betrieben werden?

Das LocalHy-Team

Das LocalHy-Team im WTZ Roßlau (v.l.): Manuel Cech, Carsten Tietze und Tom Wilfert.

PRpetuum GmbH

Später, in den 1990er-Jahren, verfolgte ein großer Autobauer die Idee eines Wasserstoffmotors weiter – und ließ sie doch wieder fallen. „Die Zeit war noch nicht reif“, kommentiert Manuel Cech. Weil er selber ein begeisterter Tüftler ist, entschied er sich nach dem Maschinenbaustudium 2011 für das WTZ in Roßlau. Für forschende Gedanken gibt es hier schon seit 1960 freie Räume.

Grüner Leuchtturm LocalHy

Ein Abwasserschlauch aus dem Motor bewässert die Petunien

An der Außenanlage des Wasserstoff-Kreislaufmotors freuen sich Petunien über das abgehende Kondenswasser.

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Carsten Tietze kümmert sich um die öffentliche Forschungsförderung beim WTZ. Auch er weiß, dass die Zeit für den Wasserstoff als Energieträger gekommen ist. So ist er auf HYPOS gestoßen. „Hydrogen Power Storage & Solutions East Germany“ verfolgt die Grundidee, nichtspeicherbare Energien aus Biomasse, Wind- und Solar-Energie in den speicherbaren Energieträger Wasserstoff umzuwandeln. Die Initiative für das Vorhaben geht von Thüringen und Sachsen-Anhalt aus. Mitteldeutschland verfügt über das bundesweit größte Pipeline-Netz von über 550 Kilometern, das für den Wasserstofftransport genutzt werden kann.

Das von den Roßlauer Motorenforschern mitgestaltete HYPOS-Projekt LocalHy ist ein Leuchtturm in dieser „grünen“ Forschungslandschaft. Es beschäftigt sich mit der Entwicklung eines Motors, der von diesem dann reichlich vorhandenen Wasserstoff angetrieben wird. Der vom WTZ entwickelte Einzylinder-Versuchsmotor hat bislang alle Testläufe erfolgreich bestanden. Der Motor arbeitet einzig mit Wasserstoff und Sauerstoff. Was das für ein Meilenstein ist, beschreiben die Roßlauer mit zwei Worten: „weltweit einmalig“.

Derzeit richten die Motorenforscher einen zweiten Prüfstand für einen Vollmotor ein. Hier wollen sie zeigen, dass ein Verbrennungsmotor mittels ihrer Technologie zu einem emissions- und stickoxidfreien Motor umgerüstet werden kann.

Kopplung an Wasserstoffspeicher

Der Motor gehört zu einem Gesamtsystem der dezentralen Wasserelektrolyse. Es wird, wie der Projektname LocalHy signalisiert, zunächst lokal installiert. Künftige Anwendung für den Wasserstoff-Kreislaufmotor sehen die Roßlauer Motorenbauer etwa in Haushalten, die mit einer Photovoltaikanlage ausgestattet sind – und Dank der Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten von HYPOS mit einem Wasserstoff-Speicher. Aus dem bedient sich der Motor bei Bedarf, um den Haushalt mit Strom zu versorgen.

Prüfstandmonteur Tom Wilfert hat zudem die Idee, das Kondenswasser, einziges Abprodukt des Motors, zum Blumengießen zu nutzen. Auch diese geniale Idee kommt zur rechten Zeit angesichts der klimatischen Veränderungen und Dürren. Tom Wilferts Petunien jedenfalls gedeihen gut. Ein untrügliches Zeichen für die Reinheit des Wassers.

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