„Zukunft gestalten mit Leichtbau“

Seit 2015 arbeitet die Stiftungsprofessur  „Leichtbau mir strukturierten Werkstoffen“ am Strukturwandel. Das Förderprojekt endet nun mit Erfolg und großer Nachhaltigkeit.

Ob Straßen- oder Schienenfahrzeugbau, Flugzeug- oder Schiffbau – die Reduzierung und Optimierung des Gewichtes ist für die Hersteller aus diesen Branchen ein großes Thema: Neben der Energieeffizienz würden sie nicht nur auf die CO2-Reduktion, sondern zunehmend auch auf biobasierte und recycelbare Materialien achten, weiß Julius Winkler. Der Leichtbauingenieur arbeitet bei der TGM Lightweight Solutions GmbH. Das Berliner Unternehmen entwickelt spezielle Gewichtsmanagement- und Analyseverfahren sowie hoch effektive Software, die es seinen Kunden aus genannten Branchen ermöglicht, die Kosten schon bei der Herstellung ihrer Produkte zu optimieren. 80 Prozent des Preises, so Winkler, würden sich auf die Herstellungskosten beziehen. Gerade auch der Anspruch, die Umwelt und das Klima weniger zu belasten, sei für die kleineren Zulieferbetriebe eine Chance, sich zu spezialisieren, eigene Kompetenzbereiche aufzubauen. Sein Ingenieurberatungsunternehmen sähe sich dann auch in der Rolle des Vermittlers zur Wissenschaft, sagt Julius Winkler und betont, dass an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) Wegweisendes insbesondere vom Fachgebiet Leichtbau mit strukturierten Werkstoffen geleistet werde. Die TGM ist ein Partnerunternehmen, das sich natürlich auch für das zukunftsorientierte Thema des 17. Cottbuser Leichtbauworkshops der BTU interessierte: „Struktur- und Energiewandel Hand in Hand“.

Neue Geschäftsfelder

Hand in Hand gehen seit 2015 die BTU und Unternehmen aus der Lausitz bei der Finanzierung der Stiftungsprofessur „Leichtbau mit strukturierten Werkstoffen“. Das Innoprofile-Transfer-Vorhaben wird vom Bundesforschungsministerium gefördert. Holger Seidlitz leitet die überaus erfolgreiche interdisziplinäre Forschungsgruppe mit inzwischen 29 Mitarbeitern. „Wir stärken die Innovationsfähigkeit der kleinen und mittelständischen Unternehmen aus der Region, indem wir unter anderem gemeinsam neue Geschäftsfelder entwickeln und diese auf dem noch jungen Leichtbau-Markt platzieren“, sagt Seidlitz. „Zukunft gestalten mit Leichtbau“, führt er gern als ein Motto an, für das es inzwischen Demonstratoren gibt: Bauteile aus strukturierten Werkstoffen, aus strukturierten Mehrschichtverbunden und Bauteile, die durch strukturierte Funktionsflächen neue Eigenschaften erhalten. So wurde beispielsweise für die Brandenburgischen Bahnradsportler sechs individuell angepasste und additiv gefertigte Lenker in Leichtbauweise entwickelt. Sie sind ergonomisch, reduzieren das Gewicht um 47 Prozent auf 152 Gramm und den Windwiderstand um 14 Prozent.

ProHolger Seidlitz und sein Team demonstrieren, wie wenig der weltweit erste Gerätecontainer in Leichtbauweise wiegt.

Prof. Holger Seidlitz (3.v.l.) und sein Team demonstrieren, wie wenig der weltweit erste Gerätecontainer in Leichtbauweise wiegt.

PRpetuum GmbH

Eine weitere Erfolgsgeschichte schreibt das BMBF-geförderte Strukturwandel-Pilotprojekt „Modulares Leichtbau-Gerätecontainer-System“, an dem das Team von Holger Seidlitz beteiligt ist. Der Container, in dem üblicherweise Batterien, Klimaanlagen, Transformatoren und Hydrauliksysteme von Straßenbahnen und Bussen untergebracht sind, ist der weltweit erste in Leichtbauweise. Hochbelastbare Bauteile werden u. a. in Mehrschichtverbund-Bauweise aus Metallen und Faser-Kunststoff-Verbunden und im 3D-Druck hergestellt.

Neue berufliche Herausforderung

Holger Seidlitz kann zum Ende der Förderung seiner Stiftungsprofessur eine positive Bilanz ziehen: Über sechs Millionen Drittmittel hat sein Team eingeworben. Zu dessen Aufgaben gehörte der Ausbau des Labors. In dem stehen jetzt neue Anlagen von über zwei Millionen Euro. Zudem lassen zwölf angemeldete Patente und über 80 wissenschaftliche Veröffentlichungen auf große Kompetenzen des Leichtbauexperten schließen. Zur großen Freude des 38-Jährigen wurde seine Professur verstetigt. In einer gemeinsamen Berufung der BTU und des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Polymerforschung IAP wird ab dem 1. August 2019 die Professur „Polymerbasierter Leichtbau“ in Verbindung mit der Leitung des Forschungsbereiches Polymermaterialien und Composite PYCO in Wildau mit Holger Seidlitz besetzt.

Das modulare Leichtbau-Gerätecontainer-System

Das modulare Leichtbau-Gerätecontainer-System ist ein BMBF-gefördertes Strukturwandel-Pilotprojekt.

PRpetuum GmbH